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    <title>John T. Lobster - solvitesken</title>
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    <pubDate>Thu, 14 Nov 2024 12:32:03 GMT</pubDate>

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    <title>RSS: John T. Lobster - solvitesken - solvitur ambulando...</title>
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    <title>Dichtung und Wahrheit – Ein Leben im Tollhaus</title>
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            <category>solvitesken</category>
    
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
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    &lt;blockquote&gt;&lt;em&gt;&amp;#8220;Die Welt wird gedichtet durch Menschen, die den Nerv zu starken Behauptungen haben. Und diese Behauptungen werden in Dogmatiken gefasst. Eine der größten Übertreibungen, die je formuliert wurden, ist diese: &amp;#8221;Die Würde des Menschen ist unantastbar.&amp;#8220; Nun konstituiert sich eine ganze Gesellschaft, indem sie sagt: Billiger als unter dieser Übertreibung machen wir es nicht. Letztlich handelt es sich um halb wahnsinnige Tiere, die beschlossen haben, unter dem Baldachin der Übertreibungen zu leben. Das ist meine Grundthese zur Seins-Frage. Wer in der Welt zu existieren hat, muss sich nach diesem Behauptungsspiel, dieser Grunddichtung der Welt erkundigen.&amp;#8221;&lt;/em&gt;
&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;Peter Sloterdijk&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Wie Sie bereits wissen: Ich ringe schwer mit Wahrheit und Dichtung. Ich lese querbeet und ärgere mich über die Verantwortungslosigkeit des dahingeworfenen Wortes, der Lust an der größten Stichelei hin zur möglichsten Aufregung. Sicherheitshalber ist immer noch ein weiterer Artikel zu finden der das genaue Gegenteil als hochemotionelle Aufwallung bezüngelt. So kann man immer noch behaupten, man würde doch ausgewogen Bericht erstatten; die ganze Bandbreite abdecken. Und überhaupt, auf den Boten einzuschlagen habe sich schon bei den alten Griechen als Falsch erwiesen. Sommerloch oder nicht, nichts entgeht dieser Masche und so bedient jedes &amp;#8220;Blatt&amp;#8221; eine gewisse Strömung. Mit Emotionen! Debatten werden nicht mehr in der Bevölkerung oder den intellektuellen Eliten, sondern in diesen &amp;#8220;&lt;em&gt;Blättern&lt;/em&gt;&amp;#8221; geführt. Angeblich berichten sie nur, doch schleicht sich immer öfter und immer mehr der Verdacht ein, dass sie es sind die die vorgeblichen Debatten führen und schüren. Die Blase ernährt sich Selbst und die monetären Notwendigkeiten der öffentlichen Wahrnehmung bedingen die bedingungslose Schürung des Feuers. Argumentative Debatten werden zu emotionalen Schleudern. Sachlichkeit und Gerechtigkeit ist nicht gewünscht, sie macht nur Arbeit. Am besten ist es wenn man nur noch Überschriften als giftige Pfeilspitzen abschießen muss. Die Kunst der Verdichtung im höchsten Maße. Gleichzeitig beklagen sie den Verlust des Vertrauens. Ich beneide Politiker daher nicht. Sie sind die bloßen Handlanger dieser Machenschaften. Ohne ihre Übersetzer, die Medien, sind sie nicht existent. Also müssen sie sie füttern. &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Meinen sie!&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt; Ihr Wort verdreht, die Aussage missachtet, alles auf den gezielt überschnappenden Aufreger ausgerichtet. So tickt die Welt! So jagt das Forum den Foristen.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;#8220;Als ich die Lust an der Wahrheit haben wollte, erfand ich die Lüge und den Schein – das Nahe und Ferne, Vergangene und Künftige, das Perspektivische. Da legte ich in mich selber die Dunkelheit und den Trug und machte mich zu einer Täuschung vor mir selber.&amp;#8221;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1882/83, 5[1]244, KSA 10.216)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Inzwischen bin ich im Nietzsche Zeitalter meines Lebensalters angekommen. Gerädert! Verändert! Ernüchtert! Ich ringe mit der hohlen Erzählung. Alle Philosophie ergießt sich sinnentleert in ein trostloses Nichts. Von Platon zu Hegel zu Nietzsche ringt die Menschheit um Wahrheit. Um den Kern des Seins. Was im Anbeginne noch ein Ringen um die Absolutheit war, dem selbst die Skeptiker unterlagen, scheint sie sich im Laufe der Zeit aufzulösen. Nietzsche beendet dieses Ringen und stellt uns vor Augen dass die Wahrheit geopfert werden muss. Wir erkennen, dass der &lt;strong&gt;Wert der Wahrheit&lt;/strong&gt; nur ein &lt;strong&gt;Glaube an die Wahrheit&lt;/strong&gt; ist. So schnöde; ein metaphysisches Gespinst!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Willen zur Macht beschreibt Nietzsche letztendlich die tatsächliche Triebfeder des menschlichen Fortschritts. Nachdem sich alles andere letzthin als hohl und subjektiv, als nur bedingte Wahrheit herausgestellt hat, als Glaubensvorstellungen gepickt mit philosophischen und metaphysischen Dogmen, als etwas, dass nur dazu diente dem Menschen Halt zu geben im auseinanderstrebenden Universum. In das entgöttlichte Nichts. Auch in sich selbst! Ein Schritt in den Wahnsinn!&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Bestimmung der Wahrheit als Fundament der abendländischen Philosophie&lt;/h3&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;„&lt;em&gt;Sinn für Wahrheit [ist] im Grunde der Sinn für Sicherheit&lt;/em&gt;“&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich staune, wenn ich die intellektuellen Debatten durchlese, dass die Menschen diese Erkenntnis teils schon in sich aufgenommen zu haben scheinen, darüber schreiben und denken können ohne durchzudrehen. So werden ganze Bücher über die Narrative geschrieben denen wir zu folgen scheinen, ohne dass gleichzeitig der Anspruch der Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit postuliert werden kann. Doch ist das &lt;em&gt;&lt;strong&gt;bedingte Wahrheiten&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt; eben nur ein Annähern, ein Erzählen, ein kurzer Halt im Drift. Selbst die noch so unverschämte Lüge im Gewand eines gekonnt gedrechselten Narrativs ist eine stimmige Erzählung und findet ihre Bewunderer und Zuhörer, ihre Follower, ihre Gläubigen. Es ist nicht mehr wichtig ob es sich bei diesen &lt;em&gt;Alternativen Wahrheiten&lt;/em&gt; um Bestimmungen des eigentlichen Wahrheitens, also der Wirklichkeit des Seins handelt. Hauptsache ist, sie sind gut erzählt und erwecken im Mindesten die Emotionen der eigenen inneren Bestätigung. Eine Glaubensvorstellung in sich. So sind die größten Gläubigen gerade die Skeptiker und Verschwörungsanhänger, die Zweifler, die dem gesellschaftlichen Narrativ sich an einer gemeinsamen Wirklichkeit zu orientieren nicht mehr folgen können, weil sie dessen Unzulänglichkeiten erkennen. Die Enttäuschten. Damit zerbricht der Glaube an das Gesellschaftnarrativ und muss ersetzt werden, denn man kann ja gar nicht anders leben. Also glaubt man an die große Verschwörung und findet sich im erlauchten Kreise einer kleinen Elite, die das närrische Spiel durchschaut und klüger als der dumme Rest ist. Es ist also ein Spiel, ein immer wieder neu und anders erzählen dessen, was nicht verstanden ist. Denn darum geht es: &lt;strong&gt;Was nicht verstanden ist&lt;/strong&gt; muss erzählt werden, damit es einen Sinn für die eigene Existenz ergibt. Eine Erfindung, um nicht vor der eigenen Leere zu entsagen; denn wer kommt schon vorgebildet als ein mit analytischer Vernunft Begabter zur Welt; die Wenigsten wie wir wissen!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;An dieser Thematik arbeitet sich die Philosophiegeschichte ab und hat analytische Größen hervorgebracht, die uns erklären was es mit der Wahrheit auf sich hat. Nach Aristoteles ist Wahrheit das &lt;strong&gt;&amp;#8220;&lt;em&gt;Werk&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&amp;#8221; des Menschen, seiner &lt;em&gt;Vernunft&lt;/em&gt;. Eine &lt;em&gt;Tätigkeit&lt;/em&gt;, nicht so sehr ein Ding an sich, einer Ursprünglichkeit. So muss man nach Aristoteles also eher &amp;#8220;&lt;em&gt;vom Wahrheiten&lt;/em&gt;&amp;#8221; reden, einer Tätigkeit die durch das geleistete Hervorbringen entsteht und dem Menschen, einer Gesellschaft eine mehr oder wenige bestimmte, entschiedene Entscheidungsgrundlage ausbildet. Trotz dessen ist das Seiende, also die Entität, das Absolute, dasjenige, was dem Menschen durch seine vernunftgeleitete Tätigkeit des Wahrheitens das Ziel ist, die Wirklichkeit, das Wahre. Es muss nur &lt;em&gt;&amp;#8220;notwendig&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;ewig&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;lehrbar&lt;/em&gt;&amp;#8221; sein, dann erfüllt es die Voraussetzung für das Absolute, das Göttliche, die Wahrheit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;An dieser Stelle war Aristoteles den Philosophen entschieden voraus, denn man musste nicht mehr dem absolut Seienden in seiner eigenen Struktur und Auslegung als &amp;#8220;Gottes Schaf&amp;#8221; folgsam folgen, sondern mit eigenem Werk an ihm und sich &lt;em&gt;mitwirken&lt;/em&gt;, einem höheren Ziele entgegen. An den zwei Strömungen der Platoniker und Aristoteliker - &lt;em&gt;wir erwähnten sie bereits im anderen Zusammenhang&lt;/em&gt; - rieben sich die Kleriker und Analytiker, die Philosophen und Gesellschaftdeuter über die folgenden Jahrtausende auf. Denn worin sonst sollte das eigentliche Resultat der Philosophie erscheinen, als in der von Erkenntnis durchsetzten &amp;#8220;&lt;em&gt;wahren&lt;/em&gt;&amp;#8221; Gesellschaftstruktur. Deswegen ist Philosophie immer auch schon Staatslehre, eine der ältesten wissenschaftlichen Disziplinen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So entwickelten sich die Grundbegriffe und Dogmen der abendländischen Philosophie. Kunstvolle Begrifflichkeiten, ganze Kosmologien, der Begriffe vom absoluten Grund, Substanz, Vernunft, Wahrheit, Maß, Ordnung, Leben, Sein oder Nicht-Sein, Staat und Existenz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Hier hakt Nietzsche ein und beginnt auf die gegenseitigen Verschränkungen der Dogmen hinzuweisen. Er läßt ihren bedingten Charakter aufblitzen und zeigt, dass nicht Wahr ist, was nur ein falscher Schluss ihrer Gegebenheiten ist.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;#8220;Es scheint mir wichtig, daß man das All, die Einheit los wird, irgend eine Kraft, ein Unbedingtes; man würde nicht umhin können, es als höchste Instanz zu nehmen und Gott zu taufen. Man muß das All zersplittern; den Respekt vor dem All verlernen; das, was wir dem Unbekannten und Ganzen gegeben haben, zurücknehmen für das Nächste, Unsre.&amp;#8221;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1886/87, 7[62], KSA 12.317)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Hatte also die über zweitausendjährige Philosophie nichts anderes im Sinn als durch die kunstvolle Verflechtung der Begriffe alles bis hin zum göttlichen Sein, zugleich das Ziel als wie der Ursprung, zu erklären, der menschlichen Vernunft ihre Unbedingtheit und Unabhängigkeit gegenüber dem Leben und damit ihre Fähigkeit zur Gänze zu kommen, die Gottheit,&amp;#160; also die Wahrheit zu erfassen, als höchstes Ziel zu ermöglichen, so stellt Nietzsche ernüchtert fest, das diese Annahme nur ein Wunsch, eine Unterstellung ist und Wahrheit &lt;em&gt;an sich&lt;/em&gt; nicht aufzufinden, weil alles &lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt; selbst ein &lt;em&gt;Irren&lt;/em&gt;, ein reines &lt;em&gt;Geschehen&lt;/em&gt; im &lt;em&gt;Leben&lt;/em&gt; ist.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;citation&quot;&gt;Leben selbst ist wesentlich Aneignung, Verletzung, Überwältigung des Fremden und Schwächeren, Unterdrückung, Härte, Aufzwängung eigner Formen, Einverleibung und mindestens, mildestens, Ausbeutung (JGB 259).&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Daraus ergibt sich letzlich die Radikalität, mit der Nietzsche die Philosophie entzaubert, bis hin zur eigenen Selbstauflösung. Das Leben als undurchschaubares Bedingungsgefüge wird zur unendlichen Plage der Aneignung und Überwindung, aber nicht als Bedingung gegenüber des göttlichen Seins, der absoluten Wahrheit, sondern nur gegenüber sich Selbst, den Entwicklungen und Irrungen die sich aus dem fortwährenden Plagen mit sich selbst ergeben. Der Mensch wird also distanziert zu dem nur angenommenen Gegebenen. Was bleibt ist sein &amp;#8220;&lt;em&gt;Wille zur Macht&lt;/em&gt;&amp;#8221;. Das was ihn vorwärtstreibt. Nietzsche stellt also fest: „&lt;em&gt;...es giebt keine ,Wahrheit&lt;/em&gt;‘“ !&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Der Blitz der Wahrheit - &amp;#8220;&lt;em&gt;Warum ich ein Schicksal bin&lt;/em&gt;&amp;#8221; - Von der zwingenden Notwendigkeit des Irrsinns&lt;/h3&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Entdeckung der christlichen Moral ist ein Ereigniss, das nicht seines Gleichen hat, eine wirkliche Katastrophe. Wer über sie aufklärt, ist eine force majeure, ein Schicksal, – er bricht die Geschichte der Menschheit in zwei Stücke. Man lebt vor ihm, man lebt nach ihm … Der Blitz der Wahrheit traf gerade das, was bisher am Höchsten stand: wer begreift, was da vernichtet wurde, mag zusehn, ob er überhaupt noch Etwas in den Händen hat.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Ecce Homo &amp;#8220;Warum ich ein Schicksal bin&amp;#8221;, Nietzsche an Franz Overbeck, 13. November 1888, Nr. 1143, KSB 8.470.)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Dieser Blitz durchfährt Nietzsche wie ein Fanal. Er sieht seine eigene Radikalität, von der er weiß, daß kein Stein auf dem anderen bleibt und alles sich selber verschlingt, wenn es keinen Ausweg findet. Ein radikaler Schnitt, der entweder alles zerstört oder in ein neues Zeitalter führt. Die Frage nach der Wahrheit ist also: „&lt;em&gt;Nicht wie ist der Irrthum möglich, […] sondern: wie ist eine Art Wahrheit trotz der fundamentalen Unwahrheit im Erkennen überhaupt möglich ?&lt;/em&gt;“ (Nachlass 1881, 11[325], KSA 9.568).&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Zuletzt: unsere idealistische Phantasterei gehört auch zum Dasein und muß in seinem Charakter erscheinen! Es ist nicht die Quelle, aber deshalb ist es doch vorhanden. Unsere höchsten und verwegensten Gedanken sind Charakterstücke der ‚Wirklichkeit‘. Unser Gedanke ist von gleichem Stoff wie alle Dinge.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1881, 12[11], KSA 9.578)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Der Ausweg aus dem Dilemma, dass das Ziel, die Absolutheit, der Grund des Seins und des Strebens als Wahrheit abhanden gekommen ist und sich alles nur noch um sich selbst dreht, scheint nur noch darin zu finden, dass das &lt;em&gt;Geschehen&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt;, obwohl mit dem Irrtum, der Erkenntnis, der Unwahrheit behaftet, über sich selbst hinauswachsen, ein neues &lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt; erschaffen kann, so wie es auch ins Gegenteil hinein sich herab steigern kann. &lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt; ist also ein &lt;em&gt;Geschehnis&lt;/em&gt;, ein &lt;em&gt;Tun&lt;/em&gt;, ein &lt;em&gt;Verhalten&lt;/em&gt; in der gewollten aber unvollständigen Wahrhaftigkeit, ein kurzer Moment der Unabhängigkeit, ein &lt;em&gt;Schaffen&lt;/em&gt; im Moment des &lt;em&gt;freiheitlichen Erringens&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Wahrheit“ ist somit nicht etwas, was da wäre und was aufzufinden, zu entdecken wäre, – sondern etwas, das zu schaffen ist und das den Namen für einen Prozeß abgiebt, mehr noch für einen Willen der Überwältigung, der an sich kein Ende hat: Wahrheit hineinlegen, als ein processus in infinitum, ein aktives Bestimmen, nicht ein Bewußtwerden von etwas, &lt;/em&gt;‹&lt;em&gt;das&lt;/em&gt;›&lt;em&gt; „an sich“ fest und bestimmt wäre. Es ist ein Wort für den „Willen zur Macht“.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1887, 9[91], KSA 12.385).&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Aus der Distanz ließe sich nun sicherlich sagen, dass dieser radikale Denker im entscheidenden Schritt einen Rückzieher macht und doch noch eine Sinn im Schlamassel finden will. Nietzsche ahnte wohl die Unbedingheit des eigenen Untergangs. Den Schritt in das zwingende Ende all dieser Erkenntnisse und Jahrtaus‹&lt;strong&gt;ende&lt;/strong&gt;› ! Und doch findet er eine klare Definition für die Wahrheit.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Als „Wahrheit“ wird sich immer das durchsetzen, was nothwendigen Lebensbedingungen der Zeit, der Gruppe entspricht: auf die Dauer wird die Summe von Meinungen der Menschheit einverleibt sein, bei welchen sie ihren größten Nutzen d. h. die Möglichkeit der längsten Dauer hat.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1881, 11[262], KSA 9.541)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Jetzt müssen wir bald die Kurve kriegen, sonst droht dies nur ein Werk über Nietzsche, das philosophische Vorher, das zerbrochene Nachher zu werden. Über die verschiedensten Nietzscheaner, die ihn missverstanden für ihr Zwecke missbrauchten, über die Anhänger der Absolutheit, die diesen &lt;strong&gt;Anti-christen&lt;/strong&gt; zum Teufel wünschten, oder ihn gar zu diesem Selbst machten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Mensch entscheidet also nun durch die Aufgabe des Absoluten in den selbst geschaffenen Spielräumen des &lt;em&gt;Wahrheitens&lt;/em&gt; über die Maßstäbe der Wahrheit selbst. Wahrheit &lt;strong&gt;a priori&lt;/strong&gt; aber gibt es nicht. Noch eine Wahrheit &lt;strong&gt;a posteriori&lt;/strong&gt;. Nur ein &lt;em&gt;‚Wahrheiten‘&lt;/em&gt; im ‚Irren‘. Somit wird der &lt;em&gt;Schein&lt;/em&gt; das alles Bestimmende, und die &lt;em&gt;Lüge&lt;/em&gt; (durch den Irrtum) der eigentliche Held im menschlichen &lt;em&gt;Erkennen&lt;/em&gt;, im &lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt;. Ironischerweise besitzt Nietzsche eine alles durchdringende Ironie im Erzeugen dieser Umkehrung allen Seins. Er ist sich seines Tuns bewußt:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Dieser Glaube an die Wahrheit geht in uns zu seiner letzten Consequenz – ihr wißt, wie sie lautet: – daß, wenn es überhaupt etwas anzubeten giebt, es der Schein ist, der angebetet werden muß, daß die Lüge – und nicht die Wahrheit – göttlich ist .…?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1886/87, 6[25], KSA 12.243)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Man beachte die ausgiebige Nutzung von Gedankenstrichen und Auslassungen, von all dem was nur &lt;em&gt;gedacht&lt;/em&gt; werden kann, oder im Leser erst seine Wirkung entfalten muss. Von den Hintergedanken, die auffordern sich seinen eigenen Reim zu machen. Von den Kosmen des Unausgesprochenen, die&amp;#160;&lt;em&gt;– einen Dialog &lt;/em&gt;im Wahrheiten des gemeinsamen Denkens ermöglichen. [ &lt;em&gt;Ich bin ein Freund dieser Art von Korrespondenz! &lt;/em&gt;] Und er gerät an seinen inneren Rubicon. Danach gibt es kein Zurück mehr. Er trägt das Schicksal des Menschen. Er ist das Schicksal selbst !&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Meine Philosophie – den Menschen aus dem Schein herauszuziehen auf jede Gefahr hin! Auch keine Furcht vor dem Zugrundegehen des Lebens.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1881, 13[12], KSA 9.620)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Damit entzieht er sich und uns den Boden auf den alles gestellt ist. Die Wahrheit ist als &lt;em&gt;Schein&lt;/em&gt; entlarvt, ein Trugbild; &lt;em&gt;wahrhaftig&lt;/em&gt; ans Licht gebracht, unter gleichzeitiger Feststellung, dass jede Feststellung solcherdings ihrerseits ein &lt;em&gt;Irren&lt;/em&gt; ist. Das kein umfassendes gültiges Ziel am Ende des Ringens zu finden ist, das in der &lt;strong&gt;Wahrheit&lt;/strong&gt; kulminiert. Das die Zerstörung einer einmal erkannten Illusion auch keine Wahrheit, sondern nur ein weiteres Perpetuum a la Sisyphos ist. Jener ,Stein der Weisen‘, mühsam emporgeschafft, immer doch gleich wieder hinunterrollt. Das &lt;em&gt;schwirrrend&lt;/em&gt; nun auszuhalten ist, dass im Tun des &lt;em&gt;Wahrheitens&lt;/em&gt;, im &lt;em&gt;Willen zur Wahrheit&lt;/em&gt;, dem Ziel &lt;strong&gt;Wahrheit&lt;/strong&gt; zugleich bedingungslos entsagt werden muss. Wer da nicht entsagt, oder Irre wird, kann sich nur zurücknehmen und seine &amp;#8220;Ziele&amp;#8221; und Orientierungen auf ein Maß zurechtstutzen, das uns erlaubt mit dieser &lt;strong&gt;Ungeheuerlichkeit&lt;/strong&gt; zu leben. Wie gut und weise &lt;em&gt;– &lt;/em&gt;als ironisches Bonmot am Ende der Zeit &lt;em&gt;– &lt;/em&gt;ist da die Welt bestellt, ja ..., denn: „&lt;em&gt;Wer tief in die Welt gesehen hat, erräth wohl, welche Weisheit darin liegt, dass die Menschen oberflächlich sind&lt;/em&gt;“, dass sie „&lt;em&gt;Furcht vor der Wahrheit&lt;/em&gt;“ haben (JGB 59).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das ist Nihilismus. Die &amp;#8220;philosophische Anschauung von der Nichtigkeit, Sinnlosigkeit alles Bestehenden, des Seienden&amp;#8221;. Nur noch auszuhalten durch die bittere Ironie des distanzierten, zurückgenommenen Betrachters. Als besonderer Nihelismus nach Nietzsche (lt. Paul van Tongeren) ist dieser (in umgekehrter chronologischer Reihenfolge): &amp;#8220;&lt;em&gt;(3) die Korrosion (2) der schützenden Struktur, die errichtet wurde, um (1) die Absurdität des Lebens und der Welt zu verbergen&lt;/em&gt;&amp;#8221;.&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Klasse!&lt;/em&gt; &lt;/strong&gt;😄😁😀&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Wo stehen wir nun damit?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Wir stehen also auf sehr wackeligen, um nicht zu sagen tönernden Füßen. Was sagt uns das über die &amp;#8220;&lt;em&gt;Alternativen Wahrheiten&lt;/em&gt;&amp;#8221; von heute? Über die methodisch angewandte Lüge die in Kenntnis des menschlichen Verhaltens des &lt;em&gt;&amp;#8220;besser nicht so genau Wissen wollens&amp;#8221;&lt;/em&gt; von der bewußten Lüge und unwahrhaftigen Erzählung regen Gebrauch macht? Die anders als von der &amp;#8220;&lt;em&gt;Wahrhaftigkeit&lt;/em&gt;&amp;#8221; und &amp;#8220;&lt;em&gt;Orientierung an der Wirklichkeit&lt;/em&gt;&amp;#8221; bestimmt, uns zu einem wie auch immer geleiteten Handeln verführen will? Das &amp;#8220;Tinder für Erwachsene&amp;#8221;? Als &amp;#8220;&lt;em&gt;wisch und wech...&lt;/em&gt;&amp;#8221;, nur noch &lt;em&gt;reaktiv&lt;/em&gt; den Schemen unterworfen, die die eigenen Blasen nähren, ... &lt;em&gt;Erzählungs-Zunder&lt;/em&gt;, schnell und leicht entzündlich, hingeworfene Happen für den schnellen Gebrauch, das schnelle Schnappen, die nichtreflektive Erregungszone ... und ja, auch über die eigene Ethik, den moralischen Kompass dem man folgt, dem jetzt &lt;em&gt;korrodierten&lt;/em&gt; Sinn und Halt für das eigene ,&lt;em&gt;wahrhaftige&lt;/em&gt;‘ Handeln, ach, ... atemlos atmend im Tollhaus ... , ja, ... zu verzweifeln am um sich greifenden Verlust der Wahrheit – auch in sich selbst – und zum letzten Strohhalm zu greifen..., der &lt;em&gt;amor fati&lt;/em&gt;, der Liebe zum Schicksal, ... zur Paradoxie fähig zu werden, das Hässliche, wenn es notwendig ist, als das Schöne zu sehen, es also umzuwerten. Den erkannten ,&lt;em&gt;Schein&lt;/em&gt;‘ im ,&lt;em&gt;Anders-haben-Wollen&lt;/em&gt;‘ gleichzeitig als das ,&lt;em&gt;Nichts-anders-haben-Wollen&lt;/em&gt;‘ zu sehen und damit &lt;em&gt;wunschlos happy&lt;/em&gt; zu werden...?!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das überhaupt ist es das Nietzsche aus diesem Ende der Zukunftfähigkeit zieht, dem Verzicht auf Zukunftsorientierung überhaupt.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Wahrheit ist die Art von Irrthum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte. Der Werth für das Leben entscheidet zuletzt.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;(Nietzsche, Nachlass 1885, 34[253], KSA 11.506)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Höre ich da nicht meinen Kafka? 😙 Einmal &amp;#8220;&lt;em&gt;um den Block/g gegangen&lt;/em&gt;&amp;#8221; und die Wahrheit als die &lt;em&gt;Tätigkeit des Lebens&lt;/em&gt; erklärt, ohne die jenes gar nicht sein kann und die sie zugleich durch sich selbst erst zustandebringt? Die drohende Wand des Nihilismus als Ende der Bewegung, als Ende der Notwendigkeit, als Ende des Strebens macht die Umwertung aller Werte notwendig, damit ein neuer Spielraum entsteht. Eine Bewegungsfreiheit für den denkenden Geist im Angesicht der Erstarrung. Das &lt;em&gt;Eine&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Umfassende&lt;/em&gt;, das ,&lt;em&gt;Aus Dem&lt;/em&gt;‘ und ,&lt;em&gt;In Das&lt;/em&gt;‘ ist zerschellt und hat sich als das große ,&lt;em&gt;Nichts&lt;/em&gt;‘ erwiesen, dessen man sich dennoch auch nicht ganz sicher sein kann. Zurück bleibt das Leben selbst. Mit einem Lächeln! Das Kleine gewinnt wieder an Bedeutung, ein Buch, ein Gedanke, ein Sinnen, eine Tätigkeit im Leben selbst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der herrliche Kristallleuchter ist also von der Decke gefallen und in tausend Stücke zersprungen. Seine lichtfunkelnden Einzelteile haben sich als mehr oder weniger verdichtete Dichtungen, als reine Erzählungen, Fiktion, Poesie, als Bruchstücke des &lt;em&gt;Werdens&lt;/em&gt; von &lt;em&gt;Halt und Sinn&lt;/em&gt; ergeben. Hier wird mein Lebens als Dichter, als Abkömmling des Abdichters, verdichtet und fällt gleichzeitig über den Ereignishorizont in ein schwarzes Loch &lt;em&gt;– &lt;/em&gt;vernichtet, als reine Erzählung überführt, dem selbst kein eigenes &lt;em&gt;Wollen&lt;/em&gt; mehr entfährt jemanden ,&lt;em&gt;Anders&lt;/em&gt;‘ von etwas überzeugen zu wollen, einer verdichteten Erzählung, &lt;em&gt;meiner Erzählung&lt;/em&gt; zu folgen. Denn seien wir ehrlich, der ,&lt;em&gt;Wille zur Macht&lt;/em&gt;‘ ist doch auch nichts anderes als der Wunsch die Führung einer Erzählung zu übernehmen die in anderen weiterlebt, von ihnen ernähret und gestützt wird, in der dem eigenen Handeln ein Sinn in der Reflexion verliehen wird. Dann kann man weiter wollen / leben ! Wir funkeln also nur, in dem wir – besser, unsere Erzählung – in anderen weiterlebt. Und das geht nicht mehr wenn der kristallene Lüchter zerschellt am Boden liegt !&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Überlassen wir das &lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt; dann also besser der gerade hoch in Mode stehenden &amp;#8220;Künstlichen Intelligenz&amp;#8221; (KI), die das menschliche Summarium der &lt;em&gt;Dichtung&lt;/em&gt; in Tokens atomisiert und dann immer wieder neu – &lt;em&gt;errechnet&lt;/em&gt; – zusammensetzt ? Und dabei sogar – &lt;em&gt;wie menschlich, allzumenschlich&lt;/em&gt; – gar vor sich hin träumt und Dinge erfindet ? Sind die Prinzipien der Betrachtung, in den getätigten Aussagen, ob &lt;em&gt;wahr und nützlich&lt;/em&gt;, ob &lt;em&gt;moralisch richtig&lt;/em&gt; und ob auch &lt;em&gt;authentisch&lt;/em&gt; noch haltbar, wenn wir nicht mal den eigenen Aussagen trauen können ? Was sagt uns das nun ? Können wir dann das Virtuose, Akrobatische, Künstlerische als das eigentliche Wahrheiten im Tun des Menschen sehen ? Wird uns der Wert der Wahrheit, der &lt;em&gt;Wert des Wahrheitens&lt;/em&gt;, erst in der Zurücknahme oder im &lt;em&gt;virtuosen Umgang&lt;/em&gt; gewahr ? Ist dann die Besinnung auf die Formel, dass der Mensch nur mit seiner Akzeptanz &amp;#8220;&lt;em&gt;von ,etwas‘ als wahr auf eine selbst nicht mehr allgemein bestimmbare Weise eine Möglichkeit findet, sich in der Wirklichkeit zu orientieren&lt;/em&gt;&amp;#8221; ausreichend ? Dass er dadurch überhaupt nur jene Möglichkeit findet, dem Haltlosen für eine kurzen Moment Gestalt zu geben, damit er in ihr leben und sich ausrichten kann ?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Mensch ist also ein &amp;#8220;&lt;em&gt;halb wahnsinniges Behauptungstier&lt;/em&gt;&amp;#8221;, das unter dem &amp;#8220;&lt;em&gt;Baldachin der Übertreibung&lt;/em&gt;&amp;#8221; lebt. Er stellt sich seine Ethiken nicht Aufgrund von Orientierung an der Wirklichkeit, sondern von aufgestellten &amp;#8220;&lt;em&gt;Wahrheiten&lt;/em&gt;&amp;#8221; – &amp;#8220;&lt;em&gt;Behauptungen&amp;#8221;, &lt;/em&gt;denen er nie wird genügen können, solange er in das Leben eintaucht. Jedes Eintauchen und Mitgestalten wird ihn aus seinem fernen Elfenbeinturm ziehen – hinein in das Leben – und damit in die Lüge und die Unwahrhaftigkeit bringen. Je mehr er eindringt, desto stärker wird er kompromitiert. &lt;strong&gt;Zwangsläufig&lt;/strong&gt; !&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Prinzipien im Umgang&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Uns droht also allemal das Schwarze Loch, gierig wartend all unsere Hoffnungen, Energien, Bewegungen, Klarheiten, Systeme und Galaxien, unser Licht und unsere Motive, unser Leben selbst zu verschlingen. Eine energetische Umwandlung in Schwerkraft ! Wir können dem nicht entrinnen ! Die Geistesstarken von uns werden am Ereignishorizont erleuchten. Für eine kurzen Moment das Dunkel erhellen. .... Ich liebe daher diejenigen, die es schaffen, sich – trotz aller sich auftuenden schwarzen Löcher – ihren inneren ,&lt;em&gt;‹ Eulen › ‹ spiegel ›&lt;/em&gt;‘ zu bewahren. Die sich auftuenden Schlünde der Paradoxien mit Humor zu bekämpfen, das Oben mit dem Unten zu verbinden. Es ist das einziges was hilft, um weiterhin genügend Distanz zur allverschlingenden Instanz zu behaupten und sich die Spielräume des Denkens zu bewahren !&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als da sind und jene die mich umtreiben, sofern sie mir gerade jetzt auch in den Sinn kommen. Leitsätze und Prinzipien:&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;»Im Spiel wird der Mensch erst Mensch«&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;»Staunen als Prinzip«&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;»Optimismus ist Pflicht«&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;»Zweifle, wenn etwas im Gewand der absoluten Wahrheit daherkommt«&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;»Sei dir bewußt dass alles Wissen nur ein Glauben ist«&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;»Lächeln ist notwendig; Darin entscheidet sich der Wert des Lebens«&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn wie ist es doch im Leben, dass des Menschen Werk im Wesentlichen ein aufknoten, ein problemlösen ist. Also, ,&lt;em&gt;Alles Leben ist Problemlösen&lt;/em&gt;‘ (Popper). Um Probleme zu lösen, von den alltäglichen bis hin zu den großen Fragen des Dasein, von den Bedingungen und Verzahnungen der Notwendigkeit und Bedeutung, von &lt;em&gt;Wahr&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Unwahr&lt;/em&gt;, wenigstens für den eigenen Kompass, muss ich &lt;em&gt;aufklärerisch&lt;/em&gt; denken, um nicht zu sagen, &lt;em&gt;ich muss selbst denken&lt;/em&gt; ! Ich weiß aber, dass ich selber auch nur glaube dass ich so denken kann. Mehr geht nicht. Ich ,will‘ aber an diese Kraft glauben, sonst kann ich das Denken und Lösen auch gleich sein lassen. „&lt;em&gt;Habe [also den] Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!&lt;/em&gt;“, der Leitspruch der Aufklärung nach Kant, wichtig allemal. &lt;em&gt;Aufklärung als Ent-Täuschung&lt;/em&gt; (Bazon Brock), ebenso. Um Mensch zu bleiben muss ich also dazu des Spielen(s) fähig (Schiller), muss trotz der allfälligen Enttäuschung verpflichtend Optimist (Popper) und muss schon aus Prinzip fähig sein zum Staunen (Adam Smith), das Fremde, Andere, und darin die Leistung, ihre Tätigkeit selbst, überhaupt zu erkennen; &lt;em&gt;anzuerkennen&lt;/em&gt;. Muss Distanz wahren und gleichzeitig genau hinsehen. Ich muss die Narrenkappe aufsetzten, um nicht in die Falle des heiligen Ernstes zu laufen, oder gar vermeintliche Gewissheiten zu verkaufen. Muss Heiliger, Kritiker, Gärtner, Narr und Kind sein.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;center&quot;&gt;&lt;span class=&quot;emoji-20&quot;&gt;– 😁 – &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wer muss da nicht an das Lachen der schönen Magd, der Thrakerin, sich erinnert fühlen, als der Naturphilosoph Thales von Milet vor ihren Augen in den Brunnen fiel, weil seine Augen suchend gen Himmel gerichtet waren und somit das ganze Debakel der abendländischen Philosophie offenbarte, &amp;#8220;&lt;em&gt;dass die Liebe zur Weisheit mit der Distanzierung von der Lebenswelt erkauft werden müsse&lt;/em&gt;&amp;#8221;. &lt;strong&gt;Wir brauchen den lachenden – zumindest aber den heiteren Philosophen !&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(* JGB), Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886&lt;br /&gt;
(* KSA), Kritische-Studien-Ausgabe von Nietzsches Werken, ab 1980&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;center&quot;&gt;&lt;span class=&quot;emoji-15&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:116 --&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; – &lt;em&gt;Dies ist &lt;u&gt;nicht&lt;/u&gt; das Ende&lt;/em&gt; – &lt;!-- s9ymdb:116 --&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
 
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    <pubDate>Thu, 31 Aug 2023 19:09:00 +0000</pubDate>
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    <category>Dichtung</category>
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    <title>Frost und Hölle! Von Schildkröten und ihren Bedürfnissen </title>
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
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    &lt;p&gt;Leicht skeptisch, etwas trotzig, aber gleichmütig, mit gehobenen Brauen, blickt sie in die Kamera.&lt;br /&gt;
Das Leben hat sich in diesem Gesicht verarbeitet; Zäh wie Leder, einer alten Schildkröte gleich.&lt;br /&gt;
Ihr Haupt umrundet ein Geflecht aus leuchtendem Krepp. Die Augen, - fern, und wässrig müde. Blickten sie doch allzu lang schon in die Welt und sahen wilde Zeiten rollen; - kommend, - gehend.&lt;br /&gt;
Sie haben ausgesehen; ihren Dienst verrichtet!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;128 Jahre sind eine lange Zeit. &lt;em&gt;Johanna Mazibuko&lt;/em&gt; lebte in der britischen Kolonialzeit, sah die selbstverwalteten Anfänge der Afrikanischen Union, überlebte die schreckliche Zeit der Apartheit und feierte Nelson Mandela, der ein ganzes Volk glücklich in einen afrikanischen Traum zur Befreiung führte. Die Buren wären, ob der begangenen Greuel und hinterlassenen Wut, sicher zu Tausenden abgeschlachtet worden, hätte Mandela nicht seine schützende Hand erhoben und einen schmerzvollen Aufarbeitungs- und Heilungsprozess in Gang gesetzt.&lt;br /&gt;
Sie hat auch diesen überlebt und begriff, dass große Ideen und große Führer, wie es Mandela sicher gewesen ist, ihre Ausstrahlung verlieren und verblassen, sobald die Macht an die Kleptomanen und Egomanen übergeht, im ewigen Spiel um Geld und Macht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Was wollen sie?&lt;/em&gt; Anerkennung! Und bekommen sie diese nicht über Menschlichkeit und Verständnis, über ein sorgsam angeeignetes Charisma und geistiger Strenge gegenüber sich Selbst, kehrt sich mancher schnell in das genaue Gegenteil und verfolgt Andersdenkende mit brutalster Härte. Das Gesetz des Dschungels, der Savanne, unserer Ahnen; &lt;strong&gt;Sieger ist wer überlebt!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Moral und Anstand sind für Schwächlinge! &lt;strong&gt;Wer zu essen hat, hat Recht!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Rede ich von Afrikanern, die bis heute, in plötzlichen Anfällen von archaischer Wut, immer noch nicht gelernt haben sich nicht gegenseitig umzubringen, die Macheten zu schwingen, kleine Kinder zu brutalsten Mördern abzurichten? Nicht unbedingt! &lt;strong&gt;Denn dieses Gen steckt in uns allen!&lt;/strong&gt; Wohnen sie denn in den heißen Gegenden des globalen Südens, oder in den sibirisch kalten Nordländern; im Westen, wie im Osten. &lt;strong&gt;Einerlei!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Mit dem Tauen des Permafrostes kommen diese Gewohnheiten und Gewissheiten wieder zum Vorschein. Eiswürmer des Grauens!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mächtige Narrative einer wagen Idee kommen sich ins Gehege. Freiheit gegen Bevormundung! Beide haben Recht, in ihrer eigenen Weise. Weder sind die Menschen fähig in völliger Freiheit zu leben und zu handeln, denn es macht sie zu Egoisten. Das Gesetz der alten Gene. Noch aber sind sie nur fremdgesteuerte, willfährige Diener, die in beschränkter Amnesie hordengleich jedem Schwenk ihrer geistigen Ordnung und Kaisers folgen. Sie müssen sich aber darüber hinaus entwickeln. Konsum oder Zwang werden nicht lange als Ersatz taugen. Sie sind zu billig und taugen nicht für den inneren Fortschritt!&lt;br /&gt;
Regeln und Ordnung brauchen beide. Manipuliert werden beide Systeme, so dass sie am Ende nur noch Hüllen sind, in denen die Puppenspieler ihre Machtspiele spielen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich rede nicht von den wenigen Ausnahmen. Den Menschen die sich entwickeln. Die gelernt haben all die Teile der vorherigen Erfahrungen und Konsequenzen zu einem Teil ihres künftigen Handelns und ihrer Werte zu machen. &lt;strong&gt;Die Freiheit sich zurückzunehmen für die Freiheit des Anderen.&lt;/strong&gt; Ein steiniger Weg und auch schwieriger Anspruch in der Entwicklung des Menschen. Und nur wenn ein genügend großer Teil diesem Anspruch genügt, ist die Menschheit bereit die nächste Stufe ihrer Evolution zu nehmen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wir sind an einem Kipppunkt. Mit ihrer Maßlosigkeit und Ignoranz hat es die Menschheit geschafft die alten Geister wiederzuerwecken.&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Das Eis schmilzt.&lt;/strong&gt; Säbelzahntiger und Scharen von Schädlingen kriechen empor, bereit sich in die giftige Schlacht zu werfen. Die Jahrhunderte der Aufklärung und des Humanismus werden in ihren eigenen Staub zurückgeworfen. Die Saat scheint nicht angegangen. Haben zu viele der Gärtner ihren Job gekündigt, oder gar ob des plötzlichen Wassermangels resigniert? Die jungen Pflanzen vergilben, verdorren. Doch gerade dort brauchen wir am allernötigsten Hilfe um die wiedererweckten Scharen der Vergangenheit in den Griff zu bekommen. Sonst kann der wildgewordene Säbelzahntiger gleich seine irren Atomdrohungen wahrmachen und die Welt in den totalen Abgrund zurückbomben. Die Brasiliens, Indiens und Chinas dieser Welt werden sich schön wundern, dass sie doch auf der selben Erde leben (&lt;em&gt;&lt;strong&gt;wollten&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;)!&lt;br /&gt;
Ich bin nicht Willens diesen Irren unwidersprochen freie Bahn zu geben, nur damit ich meine Ruhe habe!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Vielleicht sind die großen Länder und Systeme nicht fähig zur Erneuerung. Erneuerung braucht engagierte Menschen. Menschen die dort anfangen wo sie selber sind oder sich einbringen und kleine selbstverwaltete Gemeinschaften bzw Gemeinschaftsstrukturen neu denken und erfinden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei all den schlechten Nachrichten die immer gehäufter auf einen niederprasseln und einem jeglichen &lt;strong&gt;Optimismus&lt;/strong&gt; rigoros vertreiben, sind es diese kleinen Nachrichten einzelner Menschen oder lokaler Gruppen, die einfach anfangen es besser zu machen. Sei es an den Küsten rund um den Indischen Ozean mit der Wiedergewinnung von Nachhaltigkeit durch Schonung der Fischbestände und Aufforstung der weggeholzen Mangroven, alles initiert von einer kleinen Gruppe sehr engagierter Menschen mit einer klaren einfachen Idee, Eden Reforestation Projects, die die Küstenmenschen befähigt ihre direkte Umwelt nachhaltig und damit zukunftssicher zu bewirtschaften, oder in der Sahelzone mit der schlichten Idee der &amp;#8220;unterirdischen Wälder&amp;#8221;, die zum Leben wieder erweckt werden können, angeleitet von einem Australier, Tony Rinaudo, mit einer ebenso klaren und einfachen Idee, der Befähigung. Eines Auswegs!&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Kein Geschwafel, kein Gerede.&lt;/strong&gt; Keine langatmigen Konferenzen, keine kurzatmigen Gelder aus Entwicklungstöpfen. Einfach klares, ideengesteuertes Handeln, im Einklang mit der Natur.&lt;br /&gt;
Bravourös! &lt;strong&gt;Ich ziehe den Hut tief und verbeuge mich vor Scham!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wir aber leben in Systemen die bis zur Erstarrung in Gesetzmäßigkeiten stecken, die keinerlei Bewegung mehr zulässt. Alles ist geregelt, zerregelt!&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Zu viele Köche verderben den Brei.&lt;/strong&gt; Schaue ich auf das Schulsystem in Deutschland wird einem ganz bang. Alle wollen und sehen die Notwendigkeit, aber keiner ist fähig wirklich etwas zu verändern oder Neues zu probieren. Alles erstarrt in den gewordenen Regelungen. Finnland, noch vor Jahren so hochgelobt, hat es vorgemacht. Horden von Besuchern aus aller Welt haben es sich immer und immer wieder angesehen und die Erfolge gesehen. Was ist davon geblieben? Sie müssen resigniert haben, denn heute redet keiner mehr davon. Und so blieb alles beim Alten. Hauptsache ist, dass alle was zu reden haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei Weitem kein Einzelfall! Mit der Digitalisierung ist es doch ebenso. &lt;strong&gt;Hehre Ziele, die im Nichts verpuffen. &lt;/strong&gt;Warum? Weil die Regelungswut und die &amp;#8220;&lt;em&gt;German Angst&lt;/em&gt;&amp;#8221; alles zerstört.&lt;br /&gt;
Ich ertappe mich selbst als einen derjenigen, die wegen wohlgemeinter und nicht unbegründeter Sorge vor den Gefahren warnen und zögern. Die aus bitterer Erfahrung den mauschelhaften Vergabepraktiken unserer Politiker mißtrauen. Denn sie treffen grundsätzlich auf Räuber. Räuber die sich häuslich in den Lobbyfluren der Regierungen niedergelassen haben. Kein Gemeinwohlgedanke steht im Vordergrund. Nur Bereicherung. Qualität und Schlichtheit sind nicht erwünscht. Sie bringen kein Geld.&lt;br /&gt;
Zunehmend muß ich also auch mich selbst in Frage stellen, ob diese Art des zögerlichen Handelns noch angebracht ist. Kleinere Länder wie Dänemark und andere machen es einfach vor.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zwanzig Jahre zögern aus Sorge, sind ein &lt;strong&gt;viel grundsätzlicherer Verlust&lt;/strong&gt; als das einfache und konsequente Heben des Schatzes. Wenn ich an all die Projekte zurückdenke, die ich im Laufe meines langen Lebens, &lt;em&gt;- Johanna Mazibuko vergebe mir -&lt;/em&gt;,&amp;#160; bewußt wahrgenommen, als politisch anvisiert und dann nicht oder nicht konsequent genug verwirklicht gesehen habe, so fallen mir fast keine Gegenteiligeren mehr ein. Und ich muß zugeben, ja bekennen, dass wir den Stillstand mehr zu schätzen scheinen als den Fortschritt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wir sind zu faul und zu behäbig! Traurig. Wir werden gefressen von den Gierigen die sich 120 Millionen für eine App bezahlen lassen, oder ihre Verträge wohlweislich unter Geheimverschluss stellen lassen. Wenn man Ihnen wenigstens da auf die Finger sehen könnte, würde ihr Gebaren offenbar.&lt;br /&gt;
Auf dem armen Mann wird viel und ungerecht herumgehauen. Aber Karl Lauterbach macht es richtig. Zwanzig Jahre (zer-)reden für nichts. &lt;strong&gt;Jetzt ist Schluss!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich wünschte, wir könnten einfach alle mal die Klappe halten. Ein, zwei Jahre. Und in der Zeit bauen wir alle wie verrückt. Schulen, Windräder, Zugstrecken, auch Autobahnen wenn es unbedingt sein muss, Stromleitungen, Tunnel, Wohnungen, und bestellen endlich einfach und schlicht das Material was uns fehlt. &lt;strong&gt;Jetzt!&lt;/strong&gt; Ohne den ganzen Klimbim! Macht die Beschaffungsämter dicht derweil und gebt den Leuten zwei Jahre bezahlten Urlaub. Sie sollen nachdenken, wie wir zu mehr Schlichtheit und Einfachheit zurückkehren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mit diesen Worten legte sich die alte Schildkröte nieder und sagte: &lt;strong&gt;Es ist getan! Solvitur ambulando!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Sie freute sich insgeheim ihren alten Ofen endlich wieder in Gang zu setzen und sich das erste leckere Essen nach langer Zeit zu kochen.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Wenn eine positive Formulierung für das Optimum gewonnen wird, rücken die nihilistischen Irrlichter an den Rand. Die Vorfreude darauf, was aus einem normalen Leben heraus erreicht werden kann, würde so stark werden, dass die Leuchtfeuerwirkung eines Bildungsideals für das kybernetische Zeitalter die Menschen aus der aktuellen Lethargie zöge.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;p-h6&quot;&gt;&lt;em&gt;Peter Sloterdijk&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
 
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    <pubDate>Fri, 10 Mar 2023 17:32:00 +0000</pubDate>
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    <title>Am Nasenring durch die Manege - von Souveränität und Freiheit</title>
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
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    &lt;div class=&quot;po&quot;&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.&lt;br /&gt;
Ich bleibe stumm;&lt;br /&gt;
und sage nicht, warum.&lt;br /&gt;
Und Stille gibt es, da die Erde krachte.&lt;br /&gt;
Kein Wort, das traf;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;man spricht nur aus dem Schlaf.&lt;br /&gt;
Und träumt von einer Sonne, welche lachte.&lt;br /&gt;
Es geht vorbei;&lt;br /&gt;
nachher war&amp;#8217;s einerlei.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Karl Kraus, Band 9 (Gedichte), S. 639. Vgl. Die Fackel Nr. 888, Oktober 1933, S. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;&lt;em&gt;Von der verzweifelten Suche nach Beständigkeit im Momento der Zerbrechlichkeit...&lt;br /&gt;
und vom Versuch im Nebel eine &amp;#8220;&lt;/em&gt; &lt;em&gt;Sprache zu finden gegen den Druck, der sie nimmt&lt;/em&gt; ! &amp;#8221;&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Der Mensch möchte gerne betrogen werden, belügt er sich doch fortwährend selbst. Er möchte glauben. Glauben an die Wahrhaftigkeit einer Erzählung, eines Gegenübers, eines Getreuen, einer Existenz, einer allumfassenden Bestimmung des Seins. Angesichts der Masse mit der wir heute Meinungs.bildend konfrontiert werden ist dieses urmenschliche Verhalten umso auffälliger. Man muss zweifeln. Das ist das was man aus dem sich entwickelndem Leben lernen kann und lernen muss. Aber das stete Zweifeln ist anstrengend und da als Mensch von Natur aus ebenso dem Schlichten zugewandt, verstärkt der Zweifel den Glauben. So sitzen wir gefangen in unseren Blasen und vertrauen dort auf das Gute, das Bestätigende, das Wahre und Wohlmeinende. Es ist zum Verrücktwerden! Von der Wiege bis zur Bahre ein dorniger Weg.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„Alle Sicherheiten in der Erkenntnis sind selbstfabriziert und damit für die Erfassung der Wirklichkeit wertlos“&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;cite&quot; style=&quot;margin-bottom:1em; margin-left:1em; margin-right:0; margin-top:-1em&quot;&gt;– &lt;span class=&quot;Person&quot;&gt;Hans Albert&lt;/span&gt;: Traktat über kritische Vernunft, 1991; 5. Aufl., Verl.: J.C.B. Mohr. S. 36&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch: „&lt;em&gt;Ich weiß, dass ich nichts weiß&lt;/em&gt;“ (Sokrates). Dieses unfassbare Gestammle aus Deutungen, Erzählungen, Geschichten und Kommentaren; alle ohne Anfang und Ende, in sich schlüssige oder auch nur postulatische Übersetzungen des Gewordenen, eines Geworfenen und Getanen, oder eben nur Herbei.gewünschten, Herbei.geschriebenen, machen mich kirre. Ich habe Erscheinungen, kurze Helligkeiten, die alsbald wie Seifenblasen zu zerplatzen beginnen, nichts als ein beständiges &lt;em&gt;plopp plopp&lt;/em&gt; und Kreise einer sich ausbreitende Leere hinterlassend; die mich sprachlos machen!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In meinem Ringen um Worte vergehen die Zeiten. Gestern noch tiefes Gefühl und als Suche des Ausdrucks, heute schon Schall und Leer, nichts anderes als das was ich zu kritisieren suche auf meiner verzweifelten Suche. Dann und wann fällt einem eine Perle aus vergangenen Zeiten vor die Füße, in der ein Recke mit größerer Potenz die Fackel schwingt und mit seinem Lichtschwert der Worte so tüchtig in die Landschaft haut, dass es eine wahre Freude ist. Man wagt zu fragen wie es sein kann, dass solche Texte auch heute noch passen, wo wohl der wortgewaltige Karl Kraus unserer Tage zuschlägt und die Geschichtenerzähler und Dummschätzer, ja das ganze Gewese der Journaille von Heute entlarvt... die kaum je &lt;em&gt;besser&lt;/em&gt; geworden zu sein scheint.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Heute leben wir in Meinungsinfektionen, Epidemien der Erregungskultur (Sloterdijk). Alles wird hochgejazzt und Erklärendes - soweit überhaupt vorhanden - verschwindet hinter den Paywalls. Es geht eben nur noch ums Aufmerksamkeitsgeheische. Zahlt der Gutgläubige seinen Obolus bekommt er den Rest zu sehen und wird meist schwer enttäuscht, setzt sich doch das Gestammele und die enervierende Erregungskette fort, wo der hilflose Geist sich dem Zeitgeist konfrontiert sieht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun denn... Soll &lt;strong&gt;er&lt;/strong&gt; statt meiner sprechen. &lt;strong&gt;Hoch die Tassen!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:right&quot;&gt;(&lt;em&gt;Ob der Länge etwa(s) zwei.geteilt&lt;/em&gt;)&lt;/p&gt;

&lt;div&gt;
&lt;figure class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 400px; display: block&quot;&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:153 --&gt;&lt;picture&gt;&lt;source srcset=&quot;&quot; type=&quot;image/avif&quot; /&gt;&lt;source srcset=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/.v/Karl_Kraus_18741936_1930__Charlotte_Joel_18821943_OeNB_8073790.serendipityThumb.webp&quot; type=&quot;image/webp&quot; /&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;serendipity_image_center&quot; loading=&quot;lazy&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/Karl_Kraus_18741936_1930__Charlotte_Joel_18821943_OeNB_8073790.serendipityThumb.jpg&quot; style=&quot;width:400px&quot; /&gt;&lt;/picture&gt;&lt;/div&gt;

&lt;figcaption class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Aufnahme von Charlotte Joël (1930)&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:right&quot;&gt;Dezember 1912&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Karl Kraus&lt;/h2&gt;

&lt;h3&gt;Untergang der Welt durch schwarze Magie&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ich habe Erscheinungen vor dem, was ist. Ich mache aus einer Mücke einen Elefanten. Ist das keine Kunst? Zauberer sind die andern, die das Leben in die Mückenplage verwandelt haben. Und der Mücken werden immer mehr. Oft kann ich sie nicht mehr unterscheiden. Tausend habe ich zu Hause und komme nicht dazu, sie zu überschätzen. Bei Nacht sehen sie wie Zeitungspapier aus und jedes einzelne Stück lacht mich an, ob ich nun endlich auch ihm die Verbindung mit dem Weltgeist gönnen wolle, von dem es stammt. Gegen die Plage dieser Ephemeren gibt es keinen Schutz, als sie unsterblich zu machen. Das ist eine Tortur für sie und für mich. Doch wachsen sie nach und ich werde nicht fertig. Finde ich da ein Stück:&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;Man hat ihn mit Geschenken, Blumen, Reden gefeiert. Die Vertreter der Stadt und des Landes, das Zivil wie hohe Offiziere wetteiferten darin, diesem Jubilar zu zeigen, daß so redliche Tüchtigkeit nicht nur Ehre, sondern auch herzliche Zuneigung einbringt.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;ni&quot;&gt;Was war das nur? Warum habe ich das aufgehoben? »Man hat ihn ...«: dieser Ton muß einer Feier gelten, die schon etwas Selbstverständliches hat. Was kann es nur sein, wobei Stadt und Land, Zivil und Militär wetteifern? Grillparzer? Der Ausschnitt ist doch nicht so alten Datums, und damals hat man sich noch nicht so ins Zeug gelegt für die Jubilare. »Herzliche Zuneigung«: das würde für Alfred Grünfeld sprechen, aber da gibts keine Vertreter des Landes. »Redliche Tüchtigkeit«: für Schnitzler, aber da rückt wieder das Militär nicht aus. Auch dürfte es sich nicht um einen der Fünfziger handeln, die heuer wie falsches Geld herumlaufen, sondern eher um einen, der seit fünfundzwanzig Jahren — ich weiß es nicht, aber man sollte mir helfen. Man muß doch schließlich schon viel besser als ich wissen, wem ein verlorener Tonfall gehört. Ich habe die Übersicht verloren. Ich kann nicht mehr mit Sicherheit sagen: So haben die Wiener einen ihrer titanischen Kaffeesieder gefeiert. Denn inzwischen ist ein Geschlecht von Epigonen nachgewachsen, und denen wird auch schon gehuldigt. Ich sehe zum Beispiel irgendwo ein Bild: ein Ehepaar. Er ein Charakterkopf. Darunter steht — wie eben immer die Tat, die den Mann berühmt gemacht hat, mit einem Schlagwort, gleich unter dem Bild und vor der eigentlichen Biographie, umrissen wird:&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;Cafétier Anton Stern, der Besitzer des Wiener Café Prückl, und seine Gattin, die in eigenen Autos die Gäste gegen Erlag einer Krone in ihre Wohnungen fuhren lassen.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;ni&quot;&gt;Ja, so hat er ausgesehen, das hat er vollbracht; ein Blick, und man übersieht ein Leben und ein Werk. Überall Bild und Wort zur Feier genialer Initiative. Aber das Wort klingt wieder anders. Gibt es da noch Varianten? Fest steht: er hat den Gedanken gehabt, die Gäste gegen Erlag einer Krone — — Endlich der vertraute Hinweis: »Heuer zaubert er ...« Nämlich aus den Souterrainlokalitäten das Schmuckkästchen hervor, weiß schon weiß schon. Wo ich hinschaue, lese ich und sehe ich das jetzt. Das ist eine Welt von Taten und Tönen, die mich vollends bezaubern würde, wenn ich nicht neben mir die Stimme des Advokaten hören müßte, der mir fortwährend zuraunt: Aber das weiß doch so jeder Gebildete, daß das bezahlt ist! Oder: Wissen Sie sich keine ärgere Übel zu beleuchten? Harden hat doch größere Themas ... Nun weiß ich ja nicht, ob die Fähigkeit, solche Stimmen zu hören und gleich mitklingen zu lassen, wenn ich die Gefahr eines Cafétiers überschätze, mir nicht doch endlich als das größte Thema angerechnet werden wird. Fast glaube ich, daß ich nie einer Gesellschaft, die Einwände erhebt, begreiflich machen werde, daß der Einwand die Überschätzung erst berechtigt, ja mit dem Übel selbst übereinstimmt, und daß der Zeuge identisch ist mit dem Täter. Denn diese Gesellschaft läßt sich nur das begreiflich machen, was sich begreiflich machen läßt, aber ihre eigene Unbegreiflichkeit, die ein Motiv künstlerischer Ahnung ist, entzieht sich ihrem Verständnis. Der Advokat soll und darf den für irrsinnig halten, der dabei bleibt, daß der gesamte Balkan viel unwichtiger ist als eine einzige Kaffeesieder-Annonce. Der Advokat ist da des Einwands überhoben, daß man ein Ästhet sei, wenn man die Politik für unwichtig hält. Ist man denn ein Ästhet, wenn man sich statt für gute Luft und schöne Linie für das Heiratsangebot eines Budapester Spezialarztes interessiert? Es ist so furchtbar schwer, sich mit Leuten, die ihre fünf Sinne beisammen haben, zu verständigen. Lassen wirs. Dem letzten Tier, das jetzt den Ehrgeiz hat, in der Kärntnerstraße zwischen sieben und acht links zu gehen, versichere ich, daß ich es, das Tier, für tausendmal wichtiger halte als den Dr. Danew. Das wird ihm, dem Tier, doch genügen. Was ich zu tun habe, ist unwichtig. Es ist bloß der Versuch, Gott zu geben, was Gottes, und dem Tier, was des Tieres ist. Es ist bloß das Gestammel der Sehnsucht, den Geist zu trennen von den Dingen, die gebraucht werden. Und wenn ich darüber nachdenke, will ich Heine belangen. Und schon ist der Advokat da und sagt: Heine ist doch für die Journalisten, die später auf die Welt gekommen sind, nicht verantwortlich und das Lob der Cafétiers ist doch bezahlt! Der Advokat hat, da er nichts anderes hat, Recht. Er hat nicht nur dort recht, wo er recht hat, sondern immer. Er begreift nur die Verantwortung, und im Staat gibts größere Übel als jene. Aber das größte ist das kleine, für das niemand verantwortlich ist und jeder, der es nicht ist. Vor allem der, der früher gelebt hat und also schon tot ist. Ich kann dem lebendigen Advokaten keine andere Antwort auf die viertausend anonymen Briefe geben, die er mir schon geschrieben hat. Der Advokat ist nützlich und soll auch in der Welt einen Platz finden, die die andere wäre. Aber in der würde die Leistung des Advokaten oder des Cafétiers die ihr zukommende Wertung finden und nicht jene, die ihre Termini aus dem Reich des Genius holt. Denn wenn der Apparat des geistigen Lebens dem sozialen Zweck für Geld zur Verfügung steht, ist die Welt zu Ende. Der Advokat meint natürlich: wegen der Korruption meinen Sie? Nein, wegen der Erleichterung der Schamlosigkeit, die geistige Werte vergibt. Es ist gar kein Zweifel, daß die Beethovens verkürzt werden, wenn über die Kaffeesieder gesagt wird, daß sie Schöpfer sind, und sie werden umso gewisser verkürzt, wenn die Administration über den Wortschatz verfügt, den die Redaktion vom weiland Geiste gestohlen hat. Eine Gesellschaft ist dann auf dem Krepierstandpunkt, wenn sie zum Schmuck des Tatsachenlebens Einbrüche in kulturelles Gebiet begeht und duldet. Nirgendwo auf der Welt erlebt sich das Ende so anschaulich wie in Österreich. Hier kann sich die Entwicklung, deren Sendbote Heine war, täglich zweimal im Spiegel sehen. Die grauenvolle Abbindung der Phantasie durch die Ornamentierung geistiger Nachttöpfe hat hier schon zu jener vollständigen Verjauchung geführt, die der europäischen Kultur im Allgemeinen noch vorbehalten bleibt. Die Zeitung ruiniert alle Vorstellungskraft: unmittelbar, da sie, die Tatsache mit der Phantasie servierend, dem Empfänger die eigene Leistung erspart; mittelbar, indem sie ihn unempfänglich für die Kunst macht und diese reizlos für ihn, weil sie deren Oberflächenwerte abgenommen hat. Die Zeitung ist eine unlautere Konkurrenz, die beim Nachbarn Einbruch begeht und gegen die Kundschaft Gewalt anwendet. Wenn der alte journalistische Typus in den Krieg zog, so log er. Aber er begnügte sich damit, unwahre Tatsachen mitzuteilen. Der neue ist dazu unfähig und stiehlt Stimmungen. Natürlich verfaulen sie in seiner Hand sofort zur Phrase, deren Mißgeruch noch gegen den ersten Erzeuger einnimmt. Von Wippchen zu Zifferer sind wir arg heruntergekommen; die Lüge eines türkischen Siegs wäre schöner als die Poesie einer bulgarischen Landschaft. Hier sind wir ganz im Elend. Die Vorstellung ist pfutsch, es kann keinen Dichter mehr geben, weil schon der Reporter einer ist, und der Staat hat nicht mehr genug Phantasie, um die letzte Steuer zu erfinden, die wenigstens etwas wie ein Ausweg wäre und wie der ehrliche Versuch, aus dem geistigen Elend Kapital zu schlagen: die&lt;em&gt; Phrasensteuer&lt;/em&gt;. Oder den Zehent an Nuancen. Tausendmal größer noch wäre der wirtschaftliche Gewinn als bei jener Ersparnis am Ornament, auf die es einer der seltenen Antiwiener, Adolf Loos, abgesehen hat, ein Rechtsgeher der Kultur, der das Parsifal-Motiv von den Automobilhupen separieren will und den der Idiotismus deshalb für einen Bejaher der Automobilhupen hält und nicht für den Befreier des Parsifal-Motivs. Was ist aber der faule Zauber um die surrogatbedürftige Leere des Zeitgenossen, der ohne Zierat nicht fahren und nicht essen kann, gegen die furchtbare Anwendung des Geistes auf die Dinge des journalistischen Hausgebrauchs, auf eine Nutzbarkeit oder Unentbehrlichkeit, die sich in der Meldung, daß geschossen wurde, daß einer angekommen ist und daß ein Cafétier sein Lokal vergrößert hat, nicht mehr ausleben kann ohne Stimmung, Plastik oder Bedeutung? Für Reklame muß auch in anderen publizistischen Regionen gezahlt werden und sie bekommt im Ausland sogar den Platz vor der Politik, wenn sie mehr einträgt. Eine Presse, die sich auf den Ehrgeiz beschränkt, eine Bedürfnisanstalt zu sein, wird dem Cafétier, der sein Geschäft empfehlen will, den Platz vor Herrn Iswolsky ausnahmsweise zur Verfügung stellen. Aber sie wird an ihn nicht den Vorrat von Geistigkeit wenden, den sie Künstlern vorenthält, nachdem sie ihn von Künstlern gestohlen hat. Nur eine infame Meinungspresse, wie wir sie haben, nur die Vertretung jenes schamlosen Anspruchs, daß ein meldender Bote Geist und eine Plakatsäule Gemüt habe, ist auch bereit, die Grenze zu verschieben. Die Korruption, die zwischen Textteil und Anonncenteil Schiebungen macht, ist völlig belanglos neben der Schweinerei, die in allen Rubriken dichtet. Es kommt nicht darauf an, wo, sondern wie ein Händler gelobt wird; es ist besser, wenn im Leitartikel eine Ware empfohlen wird, als wenn ein Jobber dort poetischen Unfug treibt, und es ist besser, wenn im Text die Ware beschrieben, als wenn im Anonncenteil der Händler besungen wird. Nicht im letzten Provinznest, wo schließlich der Kaffeesieder auch Bürgermeister sein kann und überhaupt der bedeutendste Mensch in der ganzen Gegend, nicht in Arad, nur in Wien, nur in einem Kulturzentrum, wo ein schlichtes Frühstück, bestehend aus Kaffee, Butter und Eiern, plötzlich auf den Namen »Prückl-Frühstück« hört und zehn Individualitäten auf einmal für eine die Meldung ausbrüllen: »Ein Prückl-Frühstück für den Herrn von Politzer!«, nur in Wien, wo eine Torte eines Tages als Zehetbauer-Creme-Torte erwacht, wo ein Speisenträger Napoleon heißt, aber ein Zahlkellner mit »Herr Zwirschina« angesprochen wird, nur in Wien, wo der Knödel ein Gedicht ist und die Musen Köchinnen, wo der Mensch darauf angewiesen ist, seinen Gefühlsbesitz an die Verrichtungen des äußeren Lebens zu wenden und aller Spielraum für Persönliches zwischen Essen und Verdauen gesucht und geboten wird, nur in Wien ist eine Annonce möglich, in der auf ein Kaffeehaus in der Porzellangasse nebst allem Stimmungszauber bereits die Erkenntnisse der benachbarten Psychoanalyse angewendet sind:&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;&lt;em&gt;Eine Londoner Gesellschaft ohne Bibel ist gerade so undenkbar wie ein Wiener ohne eine Kartenpartie&lt;/em&gt;. Nicht allein das, es ist eine Haupteigenheit des Wieners, &lt;em&gt;seine Lebensenergie gerade im Kaffeehause abzureagieren&lt;/em&gt;. Und dazu gehört Stimmung, mit einem Wort, ein echtes, elegantes »Wiener Café«.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;Eine solche Stätte par excellence ist das »Café City«. Es ist unbestritten das vornehmste und mit allen der anspruchsvollen Zeit entsprechenden Forderungen eingerichtete Kaffeehaus im IX. &lt;em&gt;Bezirk&lt;/em&gt;. — —&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;Die vornehme Intimität, insbesondere des Souterrainlokals, lädt &lt;em&gt;unwiderstehlich&lt;/em&gt; zu Arrangements von Kegelabenden, Versammlungen und Unterhaltungen ein. &lt;em&gt;Im Augenblick&lt;/em&gt; ist die vorzügliche Kegelbahn auf die praktischeste Art und Weise in einen veritablen, exquisiten Ballsaal umgewandelt. Die Wände sind mit Malereien von Künstlerhand geschmückt. &lt;em&gt;Nicht vergessen erwähnt zu werden darf&lt;/em&gt; der reizend und diskret eingerichtete Ecksalon im ersten Stock, der für Damen den angenehmsten Aufenthalt bildet.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;&lt;em&gt;Von der Güte dieses Lokals des IX. Bezirks&lt;/em&gt; kann sich der Besucher überzeugen, wenn er&lt;em&gt; am späten Nachmittag, am Abend&lt;/em&gt; durch seine Säle&lt;em&gt; schreitet. Kunst und Großindustrie, das vornehmste Literatentum, Vertreter der Wiener Presse erblickt er in heiterer, zufriedener Laune&lt;/em&gt;, zu der den Hauptbeitrag auch die Bequemlichkeit des Cafés liefert, &lt;em&gt;versammelt&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;cite&quot;&gt;Diese berechtigten und&lt;em&gt; würdigen&lt;/em&gt; Erfolge kommen nicht von selbst. Sie sind die Frucht des&lt;em&gt; distinguierten Geschmackes&lt;/em&gt; und der&lt;em&gt; warmen Liebenswürdigkeit&lt;/em&gt; des Herrn Laufer, &lt;em&gt;eines der routiniertesten Cafétiers Wiens&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es ist ja klar, daß ein Vertreter des vornehmsten Literatentums des IX. Bezirks das Gedicht verfaßt haben muß, und man könnte meinen, daß diese spezifische Verbindung von Farbe und Ton das Übel, das sich hier erbricht, bloß auf den IX. Bezirk reduziert erscheinen läßt. Aber das wäre Täuschung. Denn es ist ein weltumfassender Glaube, der hier im Jargon der psychologischen Bildung spricht, und vielleicht ist von ihm wirklich nur jene Londoner Gesellschaft ausgenommen, die eine furchtbare Erkenntnis hier auf die Bibel vertröstet. Jedes Wort, das in der Annonce geschrieben steht, ist wahr und tief. Was nützte es, einen Kordon um einen Stadtteil zu ziehen, der ein Weltteil ist? Nicht vergessen erwähnt zu werden darf hier etwas:&lt;/p&gt;
 &lt;a class=&quot;block_level&quot; href=&quot;https://www.solvitur.de/archives/65-Am-Nasenring-durch-die-Manege-von-Souveraenitaet-und-Freiheit.html#extended&quot;&gt;Weiter: &quot;Am Nasenring durch die Manege - von Souveränität und Freiheit&quot;&lt;/a&gt;
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    <pubDate>Sun, 22 May 2022 17:34:00 +0000</pubDate>
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    <category>Aufklärung</category>
<category>Freiheit</category>
<category>Karl Kraus</category>
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    <title>Vom Welttheater, alten Wahrheiten und Leugnungen</title>
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
    <content:encoded>
    &lt;h2&gt;Ein alter Mann geht vorüber&lt;/h2&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Ich war einmal ein Kind. Genau wie ihr.&lt;br /&gt;
Ich war ein Mann. Und jetzt bin ich ein Greis.&lt;br /&gt;
Die Zeit verging. Ich bin noch immer hier&lt;br /&gt;
Und möchte gern vergessen, was ich weiß.&lt;br /&gt;
Ich war ein Kind. Ein Mann. Nun bin ich mürbe.&lt;br /&gt;
Wer lange lebt, hat eines Tags genug.&lt;br /&gt;
Ich hätte nichts dagegen, wenn ich stürbe.&lt;br /&gt;
Ich bin so müde. Andre nennen&amp;#8217;s klug.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Ach, ich sah manches Stück im Welttheater.&lt;br /&gt;
Ich war einmal ein Kind, wie ihr es seid.&lt;br /&gt;
Ich war einmal ein Mann. Ein Freund. Ein Vater.&lt;br /&gt;
Und meistens war es schade um die Zeit...&lt;br /&gt;
Ich könnte euch verschiedenes erzählen,&lt;br /&gt;
Was nicht in euren Lesebüchern steht.&lt;br /&gt;
Geschichten, welche im Geschichtsbuch fehlen,&lt;br /&gt;
Sind immer die, um die sich alles dreht.&lt;br /&gt;
Wir hatten Krieg. Wir sahen, wie er war.&lt;br /&gt;
Wir litten Not und sah&amp;#8217;n, wie sie entstand.&lt;br /&gt;
Die großen Lügen wurden offenbar.&lt;br /&gt;
Ich hab&amp;#8217; ein paar der Lügner gut gekannt.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poemblue&quot;&gt;Ja, ich sah manches Stück im Welttheater.&lt;br /&gt;
Ums Eintrittsgeld tut&amp;#8217;s mir noch heute leid.&lt;br /&gt;
Ich war ein Kind. Ein Mann. Ein Freund. Ein Vater.&lt;br /&gt;
Und meistens war es schade um die Zeit...&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Wir hofften. Doch die Hoffnung war vermessen.&lt;br /&gt;
Und die Vernunft blieb wie ein Stern entfernt.&lt;br /&gt;
Die nach uns kamen, hatten schnell vergessen.&lt;br /&gt;
Die nach uns kamen, hatten nichts gelernt.&lt;br /&gt;
Sie hatten Krieg. Sie sahen, wie er war.&lt;br /&gt;
Sie litten Not und sah&amp;#8217;n, wie sie entstand.&lt;br /&gt;
Die großen Lügen wurden offenbar.&lt;br /&gt;
Die großen Lügen werden nie erkannt.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Und nun kommt ihr. Ich kann euch nichts vererben:&lt;br /&gt;
Macht, was ihr wollt. Doch merkt euch dieses Wort:&lt;br /&gt;
Vernunft muß sich ein jeder selbst erwerben,&lt;br /&gt;
Und nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort.&lt;br /&gt;
Die Welt besteht aus Neid. Und Streit. Und Leid.&lt;br /&gt;
Und meistens ist es schade um die Zeit.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;next&quot;&gt;&lt;em&gt;Erich Kästner&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;
&lt;p&gt;Blicke ich einfach zu pessimistisch ins &lt;em&gt;Neue Jahr&lt;/em&gt;? Mir grauts dies mit einem klaren &lt;em&gt;&amp;#8220;Nein&amp;#8221;&lt;/em&gt; beantworten zu müssen. &lt;strong&gt;Wahr&lt;/strong&gt; bleibt &lt;strong&gt;Wahr&lt;/strong&gt;, obwohl ja jeder seine eigene Geschichte erzählt und an sie glaubt. &lt;strong&gt;Glaube ist das neue Wissen.&lt;/strong&gt; In Scharen ziehen sie lärmend durch die Straßen gegen den Glauben und sind selbst die größten Gläubigen. Tiefstes Mittelalter. Also ziehen sie ihr Wissen aus dem Glauben und sei der Leim auf dem sie kleben auch noch so irr. Es ist das Bestärkende darin das die Form fest zusammen bäckt und da man unablässig gegen irgendetwas oder irgendwen zu Felde zieht, können sie gar nicht begreifen, was sie selbst im Innersten zusammenhält. Und schon schmeißt einer den ersten Stein, die erste Fackel. Die Masse jubelt..!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Spazieren bildet. In dem wir gehen, sind wir. &lt;strong&gt;- Selbst das, im Zweifel! -&lt;/strong&gt; Sie nehmen uns die Worte für das Rändige und verbiegen sie zur Unkenntlichkeit ihrer selbst. Wer mag sich heute noch unbefangen als Freidenker oder gar Querdenker bezeichnen, als jemanden, der sich nicht stumpf dem Mainstream beugt, sondern eigene Standpunkte und Betrachtungen sucht; sich aber den Realitäten stellt! Mögen sie sich selber so bezeichnen, so ist das ihrem Glauben geschuldet; doch all die Berichterstattung geht so unfassbar daneben diese Begrifflichkeiten in naiver Zuspitzung zu übernehmen und damit komplett zu desavouieren. Was bleibt sind aufeinandergehetzte Ansichten, schön fest zusammengeschraubt in gegenseitiger Verachtung. Scharf gezeichnete Ränder ohne Verträglichkeiten, ohne Möglichkeit der vernunftgeleiteten Übergänge.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Die Welt besteht aus Neid. Und Streit. Und Leid.&lt;br /&gt;
Und meistens ist es schade um die Zeit.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und doch...&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;
&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Wir sitzen alle im gleichen Zug&lt;br /&gt;
und reisen quer durch die Zeit.&lt;br /&gt;
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.&lt;br /&gt;
Wir fahren alle im gleichen Zug.&lt;br /&gt;
Und keiner weiß, wie weit.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poemred&quot;&gt;Ein Nachbar schläft, ein andrer klagt,&lt;br /&gt;
ein dritter redet viel.&lt;br /&gt;
Stationen werden angesagt.&lt;br /&gt;
Der Zug, der durch die Jahre jagt,&lt;br /&gt;
kommt niemals an sein Ziel.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Wir packen aus, wir packen ein.&lt;br /&gt;
Wir finden keinen Sinn.&lt;br /&gt;
Wo werden wir wohl morgen sein?&lt;br /&gt;
Der Schaffner schaut zur Tür herein&lt;br /&gt;
und lächelt vor sich hin.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poemred&quot;&gt;Auch er weiß nicht, wohin er will.&lt;br /&gt;
Er schweigt und geht hinaus.&lt;br /&gt;
Da heult die Zugsirene schrill!&lt;br /&gt;
Der Zug fährt langsam und hält still.&lt;br /&gt;
Die Toten steigen aus.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit.&lt;br /&gt;
Die Toten stehen stumm&lt;br /&gt;
am Bahnsteig der Vergangenheit.&lt;br /&gt;
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit,&lt;br /&gt;
und keiner weiß, warum.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poemred&quot;&gt;Die erste Klasse ist fast leer.&lt;br /&gt;
Ein feister Herr sitzt stolz&lt;br /&gt;
im roten Plüsch und atmet schwer.&lt;br /&gt;
Er ist allein und spürt das sehr.&lt;br /&gt;
Die Mehrheit sitzt auf Holz.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Wir reisen alle im gleichen Zug&lt;br /&gt;
zur Gegenwart in spe.&lt;br /&gt;
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.&lt;br /&gt;
Wir sitzen alle im gleichen Zug&lt;br /&gt;
und viele im falschen Coupé.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Das Eisenbahngleichnis&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Erich Kästner&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
 
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    <pubDate>Sat, 01 Jan 2022 18:57:00 +0000</pubDate>
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<category>Zukunft</category>

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    <title>Farbenlehren und Gedichte</title>
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            <category>solvitesken</category>
    
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
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    &lt;div&gt;&lt;!-- s9ymdb:152 --&gt;&lt;picture&gt;&lt;source srcset=&quot;&quot; type=&quot;image/avif&quot; /&gt;&lt;source srcset=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/.v/lemon.webp&quot; type=&quot;image/webp&quot; /&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;nb serendipity_image_right&quot; loading=&quot;lazy&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/lemon.png&quot; style=&quot;width:269px&quot; /&gt;&lt;/picture&gt;&lt;/div&gt;

&lt;div class=&quot;left po&quot;&gt;
&lt;h3&gt;Warum die Zitronen sauer wurden&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ich muss das wirklich mal betonen:&lt;br /&gt;
Ganz früher waren die Zitronen&lt;br /&gt;
(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies&lt;br /&gt;
gewesen ist) so süß wie Kandis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis sie einst sprachen: „Wir Zitronen,&lt;br /&gt;
wir wollen groß sein wie Melonen!&lt;br /&gt;
Auch finden wir das Gelb abscheulich,&lt;br /&gt;
wir wollen rot sein oder bläulich!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott hörte oben die Beschwerden&lt;br /&gt;
und sagte: „Daraus kann nichts werden!&lt;br /&gt;
Ihr müsst so bleiben! Ich bedauer!“&lt;br /&gt;
Da wurden die Zitronen sauer . . .&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Heinz Erhardt&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:center&quot;&gt;&lt;strong&gt;— — —&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;po same&quot;&gt;
&lt;p&gt;Diese Wochen haben wir ja viel von Farbenlehren gehört, von Flaggen und von Ampeln,&lt;br /&gt;
Sahen Stieg und Fall, sah’n Max und Moritz, wie sie strampeln.&lt;br /&gt;
Sie sondierten die Visionen, und sich feierlich verschworen,&lt;br /&gt;
Nicht zu schwatzen vor dem Ende, WER für WAS nun auserkoren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So bleibt es spannend. Doch laut Geraune, schon in spe,&lt;br /&gt;
Verbleibt den Habenden, das Portemonnaie.&lt;br /&gt;
Sie solltens schreien: „&lt;em&gt;Nehmt uns mehr&lt;/em&gt;“,&lt;br /&gt;
Laut hinaus, „&lt;em&gt;vom Millionär&lt;/em&gt;“&lt;em&gt;!&lt;/em&gt; 🙄&lt;/p&gt;

&lt;div&gt;&lt;!-- s9ymdb:151 --&gt;&lt;picture&gt;&lt;source srcset=&quot;&quot; type=&quot;image/avif&quot; /&gt;&lt;source srcset=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/.v/dimes.webp&quot; type=&quot;image/webp&quot; /&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;nb serendipity_image_right&quot; loading=&quot;lazy&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/dimes.png&quot; style=&quot;width:205px&quot; /&gt;&lt;/picture&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Da kullerten die Taler&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;em&gt;- vor Lachen!&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Der Politikus macht Sachen!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:center&quot;&gt;&lt;strong&gt;— — —&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;gdou&quot;&gt;
&lt;div class=&quot;g1&quot;&gt;
&lt;svg xmlns=&quot;http://www.w3.org/2000/svg&quot; viewBox=&quot;0 0 200 100&quot;&gt;
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&lt;/div&gt;

&lt;div class=&quot;g2 po&quot;&gt;
&lt;h3&gt;Der Spatz&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Es flog ein Spatz spazieren&lt;br /&gt;
hinaus aus großer Stadt.&lt;br /&gt;
Er hatte all die Menschen&lt;br /&gt;
und ihr Getue satt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spitzte keck den Schnabel&lt;br /&gt;
und pfiff sich was ins Ohr.&lt;br /&gt;
Er kam sich hier weit draußen&lt;br /&gt;
wie eine Lerche vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er traf hier auch manch Rindvieh,&lt;br /&gt;
sah auch manch Haufen Mist . . .&lt;br /&gt;
Er sah, dass es woanders&lt;br /&gt;
auch nicht viel anders ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Heinz Erhardt&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;div class=&quot;gdou&quot;&gt;
&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:center&quot;&gt;&lt;strong&gt;— — —&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h3 style=&quot;text-align:center&quot;&gt;Nach einem alten Lied ( ¿Y tú qué has hecho? )&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;fs g1 rev&quot;&gt;
&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;_=_&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;#160;≈&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;div class=&quot;fs g2 po&quot;&gt;
&lt;p&gt;In den alten Stamm des Baumes, schnitzte,&lt;br /&gt;
ein Mädchen freudetrunken ihren Namen.&lt;br /&gt;
Der Baum in Innersten ergriffen, schwitzte&lt;br /&gt;
Und auf des jungen Mädchen heil’ges Froh-Locken&lt;br /&gt;
ließ seine Blüten fallen er, ... wie Samen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin der Baum, sprach er, so traurig und ergriffen,&lt;br /&gt;
Du bist die Schönheit, die sich mir verschrieb.&lt;br /&gt;
Von nun an hüt’ ich deinen Namen heilig&lt;br /&gt;
In Zeit und Raum, die mir verblieb!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Du ranntest fort, im jugendlichen Schwange.&lt;br /&gt;
Vergaßt der Blüten, wie der Tat.&lt;br /&gt;
Schüttelst ab der Liebe Tropfen,&lt;br /&gt;
Voll Eile, unbedacht! — Schon lange.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es kamen Feuer, viele ! — Wie die Winter,&lt;br /&gt;
Knarrend ächzt der greise Baum im Winde.&lt;br /&gt;
Doch tief verborgen, unterm Moos Gesinnter&lt;br /&gt;
Trug fort den Namen er, vom Kinde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;J.T.L.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 17 Oct 2021 16:45:00 +0000</pubDate>
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    <category>Ansichten</category>
<category>Erhardt</category>
<category>Gedicht</category>
<category>Leben</category>
<category>Wort</category>
<category>Zukunft</category>

</item>
<item>
    <title>Psychogramm einer Wahl</title>
    <link>https://www.solvitur.de/archives/61-Psychogramm-einer-Wahl.html</link>
            <category>solvitesken</category>
    
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p&gt;Warm dringt das letzte Herbstlicht durch die ungewaschenen Fenster und strahlt auf den Wahlzettel. Ich hätte auch sehr früh schon gehen können, doch wie immer kommen einem verhangene Fetzen in den Sinn die alles unbestimmt nach hinten schieben. Habe ich wirklich eine Wahl?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Soviel ist mir inzwischen klar, solch eine Wahl ist keine Wahl zwischen zukünftigen Dingen und Menschen die ich tatsächlich direkt beeinflusse, die eine Wahl für mich ist. Ich bekomme nur etwas vorgesetzt aus dem ich auswählen kann. Und selbst das ist unbestimmt! Da kann man zum einen Leute direkt mit einem ausreichenden Mandat ausstatten, die keiner - &lt;em&gt;geschweige denn ich&lt;/em&gt; - persönlich kennt. &lt;em&gt;Mea Culpa!&lt;/em&gt; Sie sind aber auch auf bestimmte Ränge und Plätze gestellt, so dass auch ihre &amp;#8220;Wahl&amp;#8221; eher die vorbestimmte Auswahl einer bestimmten Interessengruppe ist. Reden wir mal nicht von den Weiteren, die sich zum Teil als &lt;em&gt;möchtegern Imperative&lt;/em&gt; verstehen, und doch auch nichts weiter als Aushängeschilder einer bestimmten und meist etwas verworrenen Interessengruppe sind. Ihr oft einziger Vor- bzw Nachteil ist, dass sie keiner registrierten Partei oder Fraktion angehören und im Weiteren deshalb auch nicht viel zu melden haben werden. Sie sind aber versorgt; nicht schlecht!&lt;br /&gt;
Zum anderen gibt es Parteien aus-zu-wählen, die freundlich um meine Stimme als Blankoscheck bitten, nach dem Motto: &amp;#8220;&lt;em&gt;Macht damit was ihr wollt&lt;/em&gt;&amp;#8221;!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jede Wahl ist also ein eher unbestimmtes Mandat für eine Gruppe, die über die Modalitäten ihrer Zusammensetzung augenscheinlich selbst bestimmt und sich dem direkten und verantworteten Mandat eines Wahlbürgers zu entziehen sucht. Um sicher zu gehen, haben sie das Modell der Ausgleichsmandate erfunden. &lt;strong&gt;Herrlich!&lt;/strong&gt; Damit lässt sich die etwas dümmliche Wählerschaft wunderbar vorführen. Ihr einziger Nachteil ist, dass es letztendlich die Menge der Parlamentarier im Hohen Hause aufbläht und immense zusätzliche Kosten verursacht — und so letztlich doch irgendwie wieder auffällt. &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Aber ACH&lt;/strong&gt;, paperlapapp das wird ja aus dem Steuersäckl bezahlt.&lt;/em&gt; Müssten die Parteien ihre zusätzlichen Parlamentarier selbst bezahlen, aus einem fest definierten Budget der eigentlichen festgelegten Menge, das heißt, sich selbst beschneiden, wäre es schnell aus damit. &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Nee nee&lt;/strong&gt;, &lt;/em&gt;🙂 &lt;em&gt;aber man wird ja nochmal träumen dürfen!&lt;/em&gt; Jedenfalls fragt man &lt;strong&gt;nicht die Frösche&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;wann&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;wieviel&lt;/em&gt; man den oder vom Teich ablassen kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Da sie - unsere Politiker - also so handeln, darf es nicht wundern, dass ganz allgemein der Staat, bzw seine Finanzen als ein unendlicher Topf für Zugriffe von Interessen, für unendlich unverschämte, geradezu kleptographisch räuberische Plünderungen angesehen wird. Warum sollten Firmen, Verträge, ganz allgemein Menschen diesbezüglich mit angezogener Bremse, dem Allgemeinwohl verflichteter Gesinnung handeln, wenn ihnen dies von ihren Parlamentsvertretern nicht vorgelebt wird? Milliarden werden verpulvert; ohne Konsequenzen! Es schüttelt einen, je mehr man darüber nachdenkt, und so nimmt es nicht Wunder, dass viele Wähler gar nicht mehr wählen und alles einfach geschehen lassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ich nicht!&lt;/strong&gt; Denn ich gehöre zu einer Generation die wenigstens die innere Pflicht fühlt einer Wahl, und sei sie noch so unvollkommen, nachzukommen. Es gibt nichts anderes und die Auswahl an entsprechenden Alternativen ist sehr begrenzt! Was sie ersetzt, zeigt uns Geschichte; Leider!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man nennt es Demokratie&amp;#160;— Herrschaft des Volkes. In unserem Fall, repräsentative Demokratie, da wir ja zu viele und zu blöd sind etwas direkt entscheiden zu können. Außerdem kommt es der Neigung des Menschen entgegen, unbestimmt und &lt;strong&gt;verantwortung&lt;/strong&gt;-s-&lt;strong&gt;los&lt;/strong&gt; zu sein, haben wir doch mit dem Leben selbst schon genug zu tun.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun wäre es zu einfach den Schluss zu ziehen, dass sie, die Politiker, unsere spiegelbildlichen Vertreter an allem Schuld und Auslöser dieser Zustände wären. Sie bilden aber nur ab, was &lt;strong&gt;wir&lt;/strong&gt; sind! Oder eben einen Teil dessen, was wir selber sind. Darüber mache ich mir keine Illusionen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Habe ich also eine Wahl? ... &lt;em&gt;Hmm! ..&lt;/em&gt;. &lt;strong&gt;So und jetzt gehe ich wählen...!&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;Später mehr dazu.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!--{C}%3C!%2D%2D%20s9ymdb%3A138%20%2D%2D%3E--&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Chinese kichert und schüttelt das laotische Haupt&lt;/strong&gt; – aus dem die Bitcoins purzeln – angesichts dieser Umstände. Der russische Bär lacht sich ins grimmige Fäustchen, während noch schnell ein paar vorgefertigte Wahlzettel im aufgetauten Permasumpf entsorgt werden. Uncle Sam, der Kapitalist nimmt ein erfrischendes Bad in seinem Geldspeicher und singt: &lt;em&gt;&amp;#8220;Money makes the world go round&amp;#8221;&lt;/em&gt;. Captain Kirk sieht endlich seiner Erstumrundung entgegen, und Jeff grinst sich einen. Der Taliban ist auch nur ein Mensch und dreht freudestrahlend ein paar Runden im&amp;#160;&lt;span&gt;Autodrom.&lt;/span&gt; &lt;strong&gt;Alles ist gut!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;span&gt;Quax, der Bruchpilot, &lt;/span&gt;Maurice, meint dagegen nur: „&lt;em&gt;Frischer Fisch aus dem Nil und Kaffee, in dem der Löffel stecken bleibt: Das ist es doch, worauf es im Leben ankommt.&lt;/em&gt;“&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!--{C}%3C!%2D%2D%20s9ymdb%3A138%20%2D%2D%3E--&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Am nächsten Tag herrscht Kater. &lt;strong&gt;Schwarzer Kater&lt;/strong&gt;. Aber alle sind irgendwie erleichtert, dass sie nun wieder unter sich sind. Das Spiel beginnt, die Krämer kramen! Alte Rechnungen und spitze Messer werden gezückt und vorerst wieder weggesteckt. Sie zeigen aber wer der Hase und die Meute ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Absurdität der ausgeklügelten gegenseitigen Wägung im 2-Stimmen Wahlsystem wird überdeutlich, dass bestimmte Menschen definitiv abgewählt wurden und dennoch wieder einziehen. &lt;em&gt;« Schließlich wollen wir so tun als ob wir dich respektieren, lieber Wähler, aber dann doch nicht wirklich im Ernst, oder?! Das hätte ja schmerzhafte persönliche Konsequenzen. Das kann doch keiner wollen! Da wir es also besser wissen, nehmen wir uns was uns zusteht. »&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In einem anderen Fall wird eine Zulassungs-Begrenzung als Partei zwar gerissen und doch sind deren 3 Bewerber, ausgeschrieben &amp;#8220;&lt;em&gt;drei&lt;/em&gt; &amp;#8221; (!), als Direktmandate dennoch hinein gewählt. Zum Ausgleich für diese Ungerechtigkeit bekommt diese Partei 36 - &lt;em&gt;sechunddreißig&lt;/em&gt; - Ausgleichsmandate hinzu. Nun kann man sogar eine Fraktion bilden und hat automatisch mehr Rechte und mehr Geld zur Verfügung. Unsere Lederhosen jedenfalls wissen davon ein Lied zu singen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es locken &lt;strong&gt;Posten&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Kronen&lt;/strong&gt; und das &lt;strong&gt;Vergessen&lt;/strong&gt;. &lt;em&gt;Dann kann das Spiel erneut beginnen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Sie verstehen?&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; Ein geniales System, es sichert Existenzen, Pfründe, Machtoptionen, es schafft sich seine eigene Welt, eine Blase, die nun während der folgenden vier Jahre von allerlei Interessen und Gruppen weiter genährt und gepflegt wird. Hinter den Mauern – abgeschirmt von den Fährnissen des Lebens – werden gerade die Entscheidungsträger und ihre Zuarbeiter in einen volatil gesättigten Zustand gebracht, schwebend über den Dingen mit den komplexen Bedürfnissen einer bestimmten Klientel bearbeitet, die Schrecken einer wesentlichen Veränderung an die Wand gemalt, bis es dasteht, das Gespinst eines Buffets, dass sich nicht mehr von selbst erneuert; Beschrieben das Grauen eines zukunftsleeren Tisches, dem knurrenden Magen das Entsetzen des Ausbleibens der steten Befüllung, der dürstenden Seele die Abstinenz edler durchgeistender Tropfen. Schon sieht er es verdampfen, verdunsten, sich in Luft auflösen, einem hageren Gespenste — der &lt;em&gt;WIRKLICHKEIT&lt;/em&gt; — weichen ... &lt;strong&gt;Nein!&lt;/strong&gt; DAS kann er nicht zulassen!&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!--{C}%3C!%2D%2D%20s9ymdb%3A138%20%2D%2D%3E--&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie sich unser &lt;strong&gt;Demo&lt;/strong&gt;.&lt;strong&gt;krat&lt;/strong&gt; an diesem Punkt seines Werdens entscheidet, ist nicht schwer zu erraten. Er bleibt sich treu und verrät doch seine ursprüngliche Intention eines Volks-Vertreters, so er jemals eine solche hatte. Das Wahl-Volk wird auf einmal unbestimmt und verdunstet ihm vor Augen, es ist ja auch so wankelmütig, da er ja das wahre Volk &lt;strong&gt;in Konkretum&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;verdichtet&lt;/em&gt; vor Augen hat. Es hat seine wirtschaftlichen Nöte. Es muss also bei Laune gehalten werden. Da es dasjenige &lt;em&gt;Volk&lt;/em&gt; ist, das den Staat und damit auch unseren Vertreter ernähret, kann es nicht falsch sein es zu schützen. Man ist unter sich. &lt;strong&gt;Unter Seinesgleichen!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denken Sie nur an die VW-Betriebsräte; sie sind &lt;em&gt;hohe Manager&lt;/em&gt; und werden von ihresgleichen anerkannt und gleichermaßen entlohnt. Alleine ihnen eine Vorteilsnahme zu unterstellen grenzt an völligem Unverständnis. &lt;strong&gt;Es ist ein Prinzip!&lt;/strong&gt; Und gilt ebenso in der Politik! Und so entstehen an solchen Orten enge Freundschaften und stabile Verbindungen, gesellschaftlicher Austausch, bis hin zur gegenseitigen Hilfe und Vorteilnahme. Der Übergang in die gekaufte Republik ist fließend! Und so wird sehr schnell, nur aus dem davorgesetzten &lt;strong&gt;Stand&lt;/strong&gt;.&lt;strong&gt;punkt&lt;/strong&gt; und Artikel, aus der Herrschaft des Volkes, aus &lt;em&gt;Demos&lt;/em&gt; &amp;#8220;Volk&amp;#8221; und &lt;em&gt;kratein&lt;/em&gt; &amp;#8220;herrschen&amp;#8221; — &amp;#8220;Das Volk beherrschen&amp;#8221;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie sonst ließe sich der Pathos und die Überheblichkeit erklären mit der Politiker - wo es doch so gänzlichst gar nicht ihre Art ist - plötzlich zum Wohle aller wirkmächtige Dinge beschließen, von deren Anspruch und Folgen sie meist wenig Ahnung haben und nie wissen, wie sie einst aus diesem angerichteten Schlamassel wieder herauskommen; sei es am Hindukusch, in der schleichenden Aushöhlung der freiheitlichen Grundrechte im Kampf gegen den Terror, oder eben in Pandemiezeiten. Alles aus &lt;em&gt;gutem Grund&lt;/em&gt; und doch &lt;em&gt;grundfalsch&lt;/em&gt; im Ergebnis. Die Geschichte zeigt es immer wieder.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Meist läuft es doch so, wenn der Demokrat sich endlich in die Höhen eines Ministeramtes gebracht hat: &lt;em&gt;Tue wenig bis gar nichts und niemand kann dir ans Leder.&lt;/em&gt; Sollte es dennoch soweit kommen, dass man gezwungen ist zu handeln, haben sich obskure 10-Punkte Pläne bewährt, die so lange medial durchgeritten werden, bis jederman denkt, sie wären tatsächlich dafür da etwas konkret zu bewirken. Sobald sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit einer nächsten Krise zuwendet - &lt;strong&gt;und das ist gewiß&lt;/strong&gt; - ist die Gefahr vorüber und der Plan wird bis zum nächsten Ereignis in die Dunkelheit der Schubladen zurück gelegt. Solche Ereignisse zu handeln gehört heute zum politischen Handwerk. Hat man an ein, zwei Stellschräubchen gedreht, kann alles so weiter laufen wie bisher und weiterer Schaden ist erfolgreich vermieden und abgewendet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Schlimmer ist, wenn die Krisen anhalten und wirklich etwas getan werden muss. Dann sieht sich unser Vertreter plötzlich gezwungen zu handeln und etwas auf die eigene Kappe zu nehmen. Alles unter der medial scharf-gerichteten Aufmerksamkeits-Bestrahlung der Öffentlichkeit. Dies ist ein sehr unangenehmer Zustand. Denn das Ende ist womöglich offen und unvorhersehbar. Also folgt man einer Erzählung und bleibt ihr treu. Solch ein &lt;strong&gt;Narrativ&lt;/strong&gt; ist wohl das einzige was hilft — und &lt;strong&gt;Zeit&lt;/strong&gt;. Längst hat die — &lt;em&gt;WIRKLICHKEIT&lt;/em&gt; — das Narrativ überholt und doch herrscht nackte Angst es anzupassen, sich wieder in das Unbestimmte zu ergeben; die Folgen zu tragen. &lt;strong&gt;Der Demo&lt;/strong&gt;.&lt;strong&gt;krat ist schließlich auch nur ein Mensch!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!--{C}%3C!%2D%2D%20s9ymdb%3A138%20%2D%2D%3E--&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun tut man &lt;strong&gt;natürlich&lt;/strong&gt; all denjenigen Unrecht die sich ihre Gesinnung bewahrt haben und aufrecht &lt;strong&gt;gegen&lt;/strong&gt; die Mühlen &lt;strong&gt;an&lt;/strong&gt;kämpfen. Sie sind aber im Strom der Wahrnehmung eher die Ausnahme als die Regel. Einsame Don Quichotes, meist eher von den eigenen Leuten vom Hofe gejagt, als vom Wähler mißbilligt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wer&lt;/strong&gt; setzt sich nun durch? Zum Einen die Jäger, die Narzisten, die genügend Skrupellosigkeit mitbringen ein paar Opfer auf ihrem Wege zu hinterlassen. Sie sind Kämpfer, und Psychopaten und ihr Platz, die Arena. Doch werden sie auch ebenso schnell aus dem Wege gerollt wenn ein neuer Platzhirsch die Herde beansprucht; ihr eigener Zenit an Machthunger überschritten ist. Dann gibt es die ruhend Sit.&lt;strong&gt;ZEN&lt;/strong&gt;.den. Sie überstehen oft lange und schadlos die Wirren der Tagesgeschäfte, aus denen sie sich heraushalten, die Nächte der langen Messer, denn sie nutzen eine besondere Form der Machtausübung, die seit dem amerikanischen Politologen &lt;span&gt;Joseph S. Nye &lt;/span&gt;gemeinhin als &lt;strong&gt;Soft Power&lt;/strong&gt; gegenüber der &lt;strong&gt;Hard Power&lt;/strong&gt; bezeichnet wird. Verkürzt in etwa: &lt;em&gt;Eine kulturelle Attraktivität des ideologischen Narrativs.&lt;/em&gt; Sie geht nicht gegen an, sondern nutzt das Vertrauen als Basis. Sie hören so lange zu bis sich ein Weg abzeichnet, der in der erschöpfenden Entkräftung der Kontrahenten einen Lösungsweg ergibt. Ihre Hard Power ist diejenige, die ihre Kontrahenten bei ihnen für möglich halten, nicht aber deren konkrete Anwendung. Ihr wahrer Schatz liegt in der Attraktivität ihrer &amp;#8220;&lt;em&gt;Vision&lt;/em&gt;&amp;#8221;. Dies kann gänzlichst ohne eine solche auskommen. Aber es ist die Nutzung der positiven Kraft, also eine Entgegennahme, ganz ein wenig so wie es die östlichen Kampfkünste vermitteln. Jeder kriegerische Akt ist ein Akt der Gewalt, der Zerstörung. &lt;strong&gt;Darauf kann nichts bauen!&lt;/strong&gt; Hinwendung und Verwandlung sind die Kennzeichen eines großen Staatskünstlers. Auch ein solcher hinterläßt so manchen Psychopaten ausgelaugt und entnervt am Wegesrand, doch nicht aus Zerstörung, sondern aus Entkräftung!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Ach du grüne Neune!&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; Jetzt habe ich mich doch tagelang etwas hinreißen lassen und sehe schon einen schier unendlichen Weg des weiteren Beschreibens vor mir. &lt;em&gt;Aber Sie sehen worauf ich hinauswollte.&lt;/em&gt; 😅 Ich anerkenne die Kunst so lange regiert zur haben, ohne dass einen am Ende ein Brutus das Licht auslöscht! &lt;strong&gt;Respekt!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!--{C}%3C!%2D%2D%20s9ymdb%3A138%20%2D%2D%3E--&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;poem&quot;&gt;Am Grunde der Moldau wandern die Steine&lt;br /&gt;
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.&lt;br /&gt;
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.&lt;br /&gt;
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne&lt;br /&gt;
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.&lt;br /&gt;
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne&lt;br /&gt;
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Grunde der Moldau wandern die Steine&lt;br /&gt;
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.&lt;br /&gt;
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.&lt;br /&gt;
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;DAS LIED VON DER MOLDAU, &lt;strong&gt;Bertolt Brecht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!--{C}%3C!%2D%2D%20s9ymdb%3A138%20%2D%2D%3E--&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;So long..!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;» Hab’ ich es denn Euer Gnaden nicht gesagt, es seien Windmühlen, und das könne nur der verkennen, der selber welche im Kopf habe? «&lt;/em&gt;&lt;sub&gt;&amp;#160; M. de Cervantes,&amp;#160;Sancho Panza an seinen Don&lt;/sub&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 26 Sep 2021 14:13:00 +0000</pubDate>
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    <category>Aufklärung</category>
<category>Brecht</category>
<category>Demokratie</category>
<category>Denken</category>
<category>Freiheit</category>
<category>Geschichte</category>
<category>Gesellschaft</category>
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<category>Politik</category>
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<category>Zukunft</category>

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    <title>Three Billboards for K. - Blatt für Blatt</title>
    <link>https://www.solvitur.de/archives/59-Three-Billboards-for-K.-Blatt-fuer-Blatt.html</link>
            <category>solvitesken</category>
    
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p&gt;J. nahm das Lesezeichen aus dem Buch, rückte das Füllhorn gerade, öffnete das Fenster ... und sprang.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Noch im Flug überlegte sie was sie wohl vergessen hätte, doch nicht einmal diesen Gedanken konnte sie beenden. Ihre Blätter lagen noch immer frisch geweißt auf dem Tisch. Wie die gesamte Woche schon. Ihre Gedanken flogen, aber setzten sich nicht. Nur Nachts, wenn sie wachlag und die Stunden und Wochen und Jahre ihres Lebens an ihr vorüberzogen, nahmen sie Bezug und oft hatte sie im Halbtraume darüber nachgesonnen, dass es doch schön wäre, wenn ihr jetzt ein Nachtelf geschwind die Feder führen und alles Gedachte und Erträumte zu Papier brächte. Dann könnte sie am Morgen nachlesen was in ihrem Leben an Scheidewegen und Wendungen zu all den Fährnissen geführt hatte, denen sie ansonsten am Tage nur recht wolkig gewahr wurde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Draußen roch es nach Frühling. Ein wenig nur. Doch in all dem bleienden Grau, gab es diese feine Note die den nahen Frühling ankündigte. Narziß und Goldmund, Primel und Vergißmeinnicht. Hier ein Schneeglöcken, da ein Feld voller Krokusse, mit ihren goldenen Stempeln.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div id=&quot;trip&quot;&gt;&lt;span class=&quot;tripleft&quot;&gt;✂—✂—✂&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;billboard tripmid&quot;&gt; &lt;strong&gt;WER&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;mirr tripright&quot;&gt;✂—✂—✂&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;H. schüttelte sein welkes Haupt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Überall gingen, standen oder saßen sie. Verträumte Einzeller oder Pärchen. Als jene, die grauenvoll gelangweilt von der umgebenden Welt, auf die spiegelnde Fläche starrten, die ihnen den Weg zu sagen schien, und doch hätte ein selbstbewußt erhobener Blick gereicht, sie selbstbestimmt und weit genug in die Ferne zu tragen. Andere hielten mit solcher Inbrunst ihren Kaffeebecher als müssten sie sie spazierenführen, mit ihnen Gassi laufen; Stolz beseelt zur Gruppe der städternden Jung-Yuppies zu gehören. Die Sitzenden saßen nebeneinander, wortlos schweigend. Beide vertieft in ihre Welt; nichts ausdrückend oder teilend als trauriger Langeweile.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dann und wann sah H. ein ältliches Ehepaar, mit geweiteten Augen, ähnlich grauenvoll ihrer Umgebung gewahr geworden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So traf sich ihr Blick...&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div id=&quot;trip&quot;&gt;&lt;span class=&quot;tripleft&quot;&gt;✂—✂—✂&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;billboard tripmid&quot;&gt; &lt;strong&gt;WIR&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;mirr tripright&quot;&gt;✂—✂—✂&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Schlange starrte. Unabwendbar gefangen in ihrem Bann. Blasen blähten kleine Universen. Jedes in sich gerichtet von Saurons flammender Aufmerksamkeit. Cancel Culture und Political Correctness, durchschäumt von wütend gerichteten Hinrichtungen, sollte etwas von seinem Weg abkommen. Sie alle stritten ab sich daran zu beteiligen. Und doch war nur davon zu lesen! Je mehr wir uns auf das Detail konzentrierten, desto größer war der Effekt. Je mehr wir zu wissen glaubten, desto flacher wurde ihr Gewinn. Die vermeintliche Tiefe verlor sich im horizontalen Nirgend. Die nicht besetzte Vertikale aber produzierte den Hass. Und dieser gab den Blähungen ihr Profil, die emotionale Emulsion. Den Trieb immer weiter hinein zu steuern, gefangen von sich selbst. Selbstüberschätzung, Hybris, Ignoranz, verkocht zu einem gärigen Brei. Gesteuert? Wohl kaum. Benutzt? Durchaus!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;R. sah es kommen ... und S. sah es gehen. Keiner fand die Zeit aufzublicken!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div id=&quot;trip&quot;&gt;&lt;span class=&quot;tripleft&quot;&gt;✂—✂—✂&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;billboard tripmid&quot;&gt; &lt;strong&gt;WAREN&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;mirr tripright&quot;&gt;✂—✂—✂&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;W. war von uns gegangen...&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; (Roger Willemsen)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 20 Mar 2021 11:41:00 +0000</pubDate>
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    <category>Aufklärung</category>
<category>Freiheit</category>
<category>Gesellschaft</category>
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    <title>DJ Warpspeed, oder wie sich Klein Knirpschen die Welt zurechtmachte..</title>
    <link>https://www.solvitur.de/archives/58-DJ-Warpspeed,-oder-wie-sich-Klein-Knirpschen-die-Welt-zurechtmachte...html</link>
            <category>solvitesken</category>
    
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
    <content:encoded>
    &lt;h3&gt;&lt;strong&gt;Part I&lt;/strong&gt;&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ich lebe in einer Welt des kompletten Irrsinns. Es sind nicht einmal die Irrsinnigen selbst die mir dabei die größten Sorgen machen, es sind ihre komplett ausgehängten Fans und Supporter. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der ein Wort etwas bedeutete. Ja doch! - gelogen und übertrieben haben die Menschen schon immer. Das ist ihre Natur. Und diese Fähigkeit ist ja auch durchaus nütze. Doch auf eines war im Grunde genommen immer Verlass. Wurde ein Aufschneider anhand seiner Lügen überführt, oder trieb es gar zu krass, so konnte man sich sicher sein, dass es mit ihm vorbei war; Ausnahmen bestätigten die Regel. Dies war ein sehr verlässliches Übereinkommen und hat die Welt und ihre Menschen wenigstens tendenziell berechenbar gemacht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mit Überlichtgeschwindigkeit, also warpspeed, und durch gezieltes Krümmen der Raumzeit ermöglicht, sind diese Verläßlichkeiten aber &lt;em&gt;&lt;span class=&quot;lemma__main&quot;&gt;ad ab­sur­dum&lt;/span&gt;&lt;/em&gt; geführt worden. Die Irrsinnigen haben erkannt, dass Berechenbarkeit und Integrität etwas sind was nicht zu ihrem Vorteil ist. In ihren Augen kann man verkrustete Strukturen nur aufbrechen in dem man sich völlig Unberechenbar gibt, dass Wahrheit ein krümmbarer Raum ist. Damit nimmt man der anderen Seite die Sicherheiten. Wie immer liegt in solchen Erkenntnissen auch ein kleiner Funken Wahrheit. Doch in den Händen von Wahnsinnigen ist es ein Todesurteil für die Erfahrungen und Gewissheiten des menschlichen Umgangs. Ja, Menschen sind furchtbar und ich habe mit zunehmenden Alter die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass das befreite Tier im Menschen nicht besiegt ist, oder gar besiegt werden kann. Sie töten, sie vergewaltigen, sie zerstören alles was ihnen im Wege ist. &lt;strong&gt;Sie finden dafür Gründe. Immer!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und doch wachsen Kinder mit diesem Grundvertrauen heran, dass die Welt &lt;em&gt;GUT&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;WAHR&lt;/em&gt; und&lt;em&gt; SCHÖN&lt;/em&gt; ist; auch ihre Menschen. Zum Erwachsenwerden gehört dazu, dass dieses Urvertrauen dahinschmilzt und einer realistischer werdenden Betrachtung weicht. Und doch ist es in jedem von uns hinterlegt und trägt uns durch das Leben. Jede neue Begegnung beginnt auf dieser Grundlage. &lt;strong&gt;Hier ist es wo wir uns begegnen.&lt;/strong&gt; Je mehr dieses Vertrauen gestört wird, desto unmöglicher werden echte Begegnungen. Was bleibt in einer solchen Welt? Wahn! Machetendeals! Prahlerei! Erniedrigung! Und die entsprechenden Gegenreaktionen! Verabredungen gelten nicht mehr, oder nur solange wie es zum eigenen Vorteil gereicht. Errungenschaften der Menschheit im gegenseitigen Umgang? Unsinniger Tand für naive Seelen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wo sind der Humanismus und all die endlosen Jahrhunderte die den Menschen formten, das innere und äußere Tier besänftigten? Wo sind all die Mütter geblieben, die ihren Kindern Respekt vor der Tugend und Respekt vor der Wahrheit beibrachten? &lt;strong&gt;Warum schreien sie nicht auf?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!-- s9ymdb:138 --&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;&lt;strong&gt;Intermezzo&lt;/strong&gt;&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Sich das innere Gold in Zeiten des Pessismismus, der Düsternis zu erhalten, ist also ein Gebot der Stunde. So wie es immer wieder geschah. Mitten im ersten Weltkrieg schrieb Leonhard Frank: &lt;strong&gt;Der Mensch ist gut&lt;/strong&gt;. Eine Sammlung von Erzählungen, die den Menschen Mut machen sollten ihrer besseren Natur zu folgen; eigene Schlüsse zu ziehen und sich dem Friedenszug anzuschließen. Diese Novellen wurden kurzerhand als Wehrzersetzend verboten, aber dennoch heimlich umhergereicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Um es mit Erich Kästner auszudrücken&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Mensch ist gut! Wenn er noch besser wäre,&lt;br /&gt;
wär er zu gut für die bescheidne Welt.&lt;br /&gt;
Auch die Moral hat ihr Gesetz der Schwere:&lt;br /&gt;
Der schlechte Kerl kommt hoch - der Gute fällt.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Apropos Mütter: Sie sind oft Teil des Problems. Wie wir schon an der langen Geschichte der Mafia beobachten konnten, sind sie es, die manchmal sogar zum eigentlichen Träger des Status quo werden oder ihn gar befeuern. Und doch läge unendlich viel Hoffnung darin, wenn es den Müttern dieser Welt gelänge, ihren verzogenen Knirpsen kräftig einen hinter die Löffel zu geben, sollten sie sich derart versteigen und ihrer niedersten Natur bequemen. Haben doch schon die alte Griechen wunderbar anschaulich demonstriert, dass all das laute Kriegsgetümmel mit ein wenig &lt;strong&gt;gemein&lt;/strong&gt;.samen Willens seitens der Gemahlinnen und Geliebten prinzipiell gestoppt werden kann. &lt;em&gt;Lysistrata. &lt;/em&gt;Make Love, or/not war! &lt;strong&gt;Erinnert Euch!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!-- s9ymdb:138 --&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;&lt;strong&gt;Part II&lt;/strong&gt;&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Kommt Zeit, kommt Rat. Kommt also Erkenntnis?!&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
Ja so ist das normalerweise. Wir machen Fehler solange wir wandeln und handeln. Gut so! Wir lernen daraus. So soll es sein! Die Bedingung für diese Abfolge ist, dass wir uns Selbst nie so Ernst nehmen, dass der &lt;em&gt;Zweifel&lt;/em&gt; keinen Platz mehr darin findet. Dieser &lt;strong&gt;&lt;em&gt;Zweifel&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; ist dasjenige Element das uns überhaupt erst den nötigen Abstand zu uns selbst bringt, um von einer erhöhten Warte die Dinge und unsere Rolle darin neu zu betrachten. Er darf nur nicht pathologisch werden, sonst wirkt er nicht hin zur Erkenntnis, sondern verdüstert die Hoffnung, die bekanntlich am Boden der Büchse der Pandorra sich zu liegen fand. Es ist auch nie ganz geklärt worden ob sie ebenfalls mit ausbüchste ... Nietzsche jedenfalls hat das für sich beantwortet und meint:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.“&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Es gibt aber noch einen weiteren Faktor: die &lt;strong&gt;&lt;em&gt;Angst&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;. Sie ist ein arger Herumtreiber und bringt einzelne Menschen oder Gruppen und manchmal ganze Volksseelen dazu sich von ihr regieren zu lassen. Dann versteigen sich solche Menschen ganz leicht dazu, sich von geheimnisvollen Kräften umgeben zu sehen, die ihnen ans Leder wollen. Solche Hysterien haben immer wieder Platz gegriffen, in der Antike, dem Mittelalter, oder der Neuzeit. Der ganze sogenannte Kalte Krieg fußte auf. Natürlich auch gab es immer Leute denen ein solcher Zustand herrlich in den Kram passte und in den man sich bequem einrichten konnte und die ihn deshalb - ob einzeln oder in Gruppen - im Geheimen oder in aller Offenheit - bewußt forcierten. Die kurzen Phasen der Erholung nach solchen längeren Phasen der getriebenen Angst sind dann dem Wiederaufbau gewidmet. Eine kurze Zeit der Konzentration auf wirtschaftlichen Aufschwung, verbunden mit der Hoffnung auf Verbesserung für die Massen. &lt;strong&gt;Ein Wunsch, mehr nicht!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Kommen wir zurück zu unserem Virus und der aktuellen gesellschafts-politischen Lage. Für Psychologen sicher eine Goldgrube an Verwirrungsformen der menschlichen Psyche. Die Rationalität - also die vernunftgeleitete, erweiterte Sicht der Zusammenhänge - gerät völlig aus den Fugen. Sie spielt bei Manchem fast gar keine Rolle mehr. Deshalb sind auch Argumente völlig fehl am Platz. Sie bewirken das genaue Gegenteil. Was aber ist es nun was Menschen zu Berserkern des völligen Unsinns werden läßt. &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Es ist Angst! &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;Sie sind nach innen gekehrt und verbunkern sich. An irgendeiner Stelle ihres Lebens haben sie aufgehört mit dem &amp;#8220;&lt;em&gt;Anderen&lt;/em&gt;&amp;#8221;, dem &lt;em&gt;Fremden&lt;/em&gt; zu kommunizieren, sich verschiedene Perpektiven zu eigen zu machen. Deshalb ist es ihnen auch herzlich egal ob sie eine Person wählen die dem Allgemeinwohl nicht dienen will. Hauptsache sie bestärkt einen in der Selbstverbunkerung, weil ja überall Kräfte am Werke sind, die ... &lt;em&gt;aber das hatten wir ja schon&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Süddeutsche Zeitung bringt eine interessante Betrachtung aus der Zeit der Nürnberger Prozesse zur Geltung. Die Angeklagten, wie Hermann Göring, wurden vor dem Prozeß von einem Psychiater der US-Army begleitet, der sie beobachtete und prozessfähig halten sollte und der, als Laboratorium der Psyche des Bösen - und mit einem gewissen Hang zu selbigen - verschiedene Interviews führte. Waren sie etwa nur infizierte Verrückte?&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Kelleys Interviews zeitigen eine andere Einsicht. Es ist die Einsicht, dass es sich um zum Teil sehr intelligente Menschen handelt, die einige Merkmale teilen: zügellosen Ehrgeiz, schwach ausgebildete Moralvorstellungen und exzessiven Patriotismus, mit dem fast jede fragwürdige Tat gerechtfertigt wurde. [...]&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Solche Menschen gibt es überall auf der Welt. Sie haben keine geheimnisvollen Persönlichkeitsmuster. Aber sie haben starke Triebe, und sie wollen an die Macht.&amp;#8221; [...]&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Es gibt selbst hier in den USA Leute, die über die Leichen der Hälfte der amerikanischen Bevölkerung gehen würden, um die andere Hälfte unter ihre Kontrolle zu bringen. Bisher reden diese Personen nur, aber sie setzen schon heute ihre demokratischen Rechte antidemokratisch ein.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:right&quot;&gt;&lt;span style=&quot;font-size:smaller&quot;&gt;https://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-nuernberger-kriegsverbrecherprozesse-1.5123532&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Lässt sich dazu noch was sagen?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Halten wir also fest. Wir haben den &lt;em&gt;nagenden&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Zweifel&lt;/strong&gt;, die &lt;em&gt;bodenlose&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Angst&lt;/strong&gt; und den &lt;em&gt;dunklen&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Trieb&lt;/strong&gt;. Etwas verloren zwischen ihnen herumirrend die &lt;em&gt;stammelnde&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Hoffnung&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!-- s9ymdb:138 --&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;&lt;strong&gt;En Fin&lt;/strong&gt;&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Es sind also alles Gifte. In ihrer verdünnten Form allerdings auch immer Treiber der Entwicklung. Im Grunde, Drogen! Sie sind, wie wir Menschen eben auch, &lt;strong&gt;&lt;em&gt;ambivalent&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;. Es existieren also verschiedene Schichten und Wirkungsformen gleichzeitig und gleich gültig, neben- und ineinander. In ihren Urformen sind es &lt;strong&gt;Liebe&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Destruktion&lt;/strong&gt; und sie ordnen sich in den verschiedenen Ich-Funktionen unserer Wahrnehmungen, Handlungen und Entwicklungen. Lassen wir mal die Frage, ob das entwickelnde ICH das Leben überdauert und sogar inaugoriert beiseite, so stellen wir fest, dass wir es beim ICH mit gewissen Grundtypen zu tun haben; den kognitiven Funktionen, den vermittelnden Funktionen, den sensitiven und Schutz Funktionen. Sie lassen sich natürlich noch viel weiter in Einzelteile konstruktivieren. Wie bei allen solchen Zerlegungen muss natürlich darauf geachtet werden sie nur als tabellarisches Hilfsmittel eines komplexeren Ganzen, &lt;em&gt;&lt;strong&gt;des Lebens an sich&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;, zu betrachten. Im Zuge dieser kleinen, sich entwickelnden Betrachtung können wir uns vielleicht auf die sogenannte &lt;em&gt;Adaptive Regression&lt;/em&gt;, also die gespinstartige Adaption der Träume, von frei inspirierten oder imaginierten Zusammenhängen und das &lt;em&gt;Defensive Funktionieren&lt;/em&gt; als ICH-Anteile beschränken. Beides scheint sehr ausgeprägt bei solchen Menschen von den ich hier zu sprechen suche. Es fehlt nur ein wichtiger Teil. Die &lt;em&gt;Adaptive Regression&lt;/em&gt; ist an sich ja eine wunderbare Fähigkeit des Menschen. Sie ermöglicht uns zu phantasieren, Dinge neu zu Denken, Unmögliches zu wagen. Sie muss nur versuchen sich wieder in einen normalen Realitätsbezug zu bringen, zu hinterfragen. Das ist schwierig, aber geschieht &lt;em&gt;normalerweise&lt;/em&gt; unaufhörlich. Sie läßt uns sich entwickeln, anpassen, &lt;strong&gt;fort&lt;/strong&gt;.schreiten. Dieser Teil scheint wie ausgehakt!&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Beziehung Suchen&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt; ist also eine enorm wichtige Fähigkeit. Aber sie muß sich der Schwierigkeit stellen fortwährend einen Realitätsbezug herzustellen. Ohne diesen Teil ist es wie ein Horror-Trip im Rausch. Man entgleitet der Wirklichkeit und radikalisiert sich im OFF. Man überschreitet die Grenze!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Lebe ich also in einer Zeit, in der sich - wie beim Klimawandel, um nur ein Beispiel zu nennen - tatsächlich eine diesbezügliche &lt;em&gt;Expansion&lt;/em&gt; ereignet? &lt;strong&gt;Ich fürchte es!&lt;/strong&gt; Gibt es also Hoffnung?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Kann man so enden? &lt;strong&gt;Nein!&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
Wäre es ein expansives Universum ohne Rückkehr, ohne &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Hoffnung&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;, wäre es Zeit auszusteigen; dem &lt;em&gt;Warpspeed&lt;/em&gt; einen Kick zu versetzen, der es aus dem exzessiven Wurmloch befördert. Ich habe die Hoffnung das es die Bildung ist, die einen hoffen lassen kann. Zukünftige Generation werden also auch ihre Fehler machen und sie werden ebenso anfällig sein. Aber sie werden hoffentlich starke &lt;strong&gt;Bildungskräfte&lt;/strong&gt; haben zu widerstehen! Also, fordern und fördern wir Bildung! &lt;strong&gt;Gegen das Übel!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;chapter&quot;&gt;— &lt;!-- s9ymdb:138 --&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;aldus&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/aldusblatt.png&quot; /&gt; —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;War es das nun endlich? [...] Scheinbar doch noch nicht!&lt;br /&gt;
Immer dann wenn man denkt, man könne nun endlich Hoffnung schöpfen, die aufgeschreckte Haltung wieder etwas zurück lehnen, kommt einer daher, der einem die Ohren wieder langzieht. &lt;strong&gt;Watschn Watsch!&lt;/strong&gt; &lt;/em&gt;😂 &lt;em&gt;So soll er denn - unbekannterweise - das letzte Wort haben. &lt;strong&gt;Grüße an Tyll!&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Aber ich will Ihnen trotzdem was Hoffnungsvolles zum Schluss noch sagen: Ich glaube, die Hoffnung ist eine, die wir, ähnlich wie die Angst, nicht abschalten können als Idee. Die Hoffnung ist aber wahrscheinlich eine notwendige pubertäre Glaubensvorstellung unaufgeklärten Größenwahns. Behält man diese pubertäre Glaubensvorstellung wider alle Erfahrung bis ins hohe Alter aufrecht, hat man ein ernstes Problem.&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;text-align:right&quot;&gt;&lt;span style=&quot;font-size:smaller&quot;&gt;Arnold Retzer, Psychologe&lt;br /&gt;
https://www.deutschlandfunkkultur.de/lebensqualitaet-die-hoffnung-muss-sterben.1008.de.html?dram:article_id=328481&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 15 Nov 2020 08:47:00 +0000</pubDate>
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    <category>Eitelkeit</category>
<category>Gesellschaft</category>
<category>Propaganda</category>
<category>Wahrheit</category>

</item>
<item>
    <title>Wiederbegegnung mit einem Meister</title>
    <link>https://www.solvitur.de/archives/57-Wiederbegegnung-mit-einem-Meister.html</link>
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p&gt;Was bleibt ist der arme Poet. Der große Westen mit seiner Idee hat sich überlebt und sein großer Bruder im Osten ebenso. Es fehlt weiterhin die Idee der Mitte. War es doch einst die Chance der EU, getragen aus den Kriegen, die erst die Staaten formten, dann die Einsicht. Heute ist Zerfall das Schlüsselwort. Einsicht sucht man vergebens. Alles ist geprägt von Machtinteressen und Egoismen.&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Teppichhändler, Gaukler, Warenströme &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Ein Husar wer anderes dächte und erhoffte &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Dem Guten, dem Wahren und dem Schönen &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Ja, so wird es uns gelehret &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; soll Geist - soll Kunst, &lt;/em&gt;&lt;span&gt;Kommerz&lt;/span&gt;&lt;em&gt; bekehren &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Seinem Dasein höher`n Sinn verleihen &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; wo üble Teufel Gall und Gift verspeien &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Doch niedere Sinne machten aus Erkenntnis Gift &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Strategen nutzen es mit spitzem Stift &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Unfriede herrscht, was einst vereinen sollt &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; der Mensch Geschlecht - zum Ziel ausrollt &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Einst stieg Zeus selbst, geformt als Stier &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; zum Mensch hinab und raubte ihm Europe &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Heut trottet dieser in der Grube &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; gelähmt, sein kühner Flügelschlag im Pfluge &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Schon fast zerrieben unter dem Geknirsche &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; verdrehter Wahrheit, liegt die Kirsche &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Was also blieb von der IDEE? &lt;strong&gt;//&lt;/strong&gt; Nichts. Nada, weiß Papier - ein Traum aus Schnee!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pegasus im Joche&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;div&gt;&lt;!-- s9ymdb:129 --&gt;&lt;picture&gt;&lt;source srcset=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/.v/Pegasus.serendipityThumb.webp&quot; type=&quot;image/webp&quot; /&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;serendipity_image_center&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/Pegasus.serendipityThumb.png&quot; style=&quot;width:400px&quot; /&gt;&lt;/picture&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Auf einen Pferdemarkt – vielleicht zu Haymarket,&lt;br /&gt;
Wo andre Dinge noch in Waare sich verwandeln,&lt;br /&gt;
Bracht’ einst ein hungriger Poet&lt;br /&gt;
Der Musen Roß, es zu verhandeln.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Hell wieherte der Hippogryph,&lt;br /&gt;
Und bäumte sich in prächtiger Parade;&lt;br /&gt;
Erstaunt blieb Jeder stehn und rief:&lt;br /&gt;
Das edle, königliche Thier! Nur Schade&lt;br /&gt;
Daß seinen schlanken Wuchs ein häßlich Flügelpaar&lt;br /&gt;
Entstellt! Den schönsten Postzug würd’ es zieren.&lt;br /&gt;
Die Race, sagen sie, sey rar,&lt;br /&gt;
Doch wer wird durch die Luft kutschieren?&lt;br /&gt;
Und keiner will sein Geld verlieren.&lt;br /&gt;
Ein Pächter faßte endlich Muth.&lt;br /&gt;
Die Flügel zwar, spricht er, die schaffen keinen Nutzen;&lt;br /&gt;
Doch die kann man ja binden oder stutzen,&lt;br /&gt;
Dann ist das Pferd zum Ziehen immer gut.&lt;br /&gt;
Ein zwanzig Pfund, die will ich wohl dran wagen;&lt;br /&gt;
Der Täuscher, hoch vergnügt die Waare loszuschlagen,&lt;br /&gt;
Schlägt hurtig ein. „Ein Mann, ein Wort!“&lt;br /&gt;
Und Hans trabt frisch mit seiner Beute fort.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Das edle Thier wird eingespannt;&lt;br /&gt;
Doch fühlt’ es kaum die ungewohnte Bürde,&lt;br /&gt;
So rennt es fort mit wilder Flugbegierde&lt;br /&gt;
Und wirft, von edelm Grimm entbrannt,&lt;br /&gt;
Den Karren um an eines Abgrunds Rand.&lt;br /&gt;
Schon gut, denkt Hans. Allein darf ich dem tollen Thiere&lt;br /&gt;
Kein Fuhrwerk mehr vertraun. Erfahrung macht schon klug.&lt;br /&gt;
Doch morgen fahr’ ich Passagiere,&lt;br /&gt;
Da stell’ ich es als Vorspann in den Zug.&lt;br /&gt;
Die muntre Krabbe soll zwei Pferde mir ersparen;&lt;br /&gt;
Der Koller gibt sich mit den Jahren.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Der Anfang ging ganz gut. Das leichtbeschwingte Pferd&lt;br /&gt;
Belebt der Klepper Schritt, und pfeilschnell fliegt der Wagen,&lt;br /&gt;
Doch was geschieht? Den Blick den Wolken zugekehrt,&lt;br /&gt;
Und ungewohnt, den Grund mit festem Huf zu schlagen,&lt;br /&gt;
Verläßt es bald der Räder sichre Spur,&lt;br /&gt;
Und, treu der stärkeren Natur,&lt;br /&gt;
Durchrennt es Sumpf und Moor, geackert Feld und Hecken;&lt;br /&gt;
Der gleiche Taumel faßt das ganze Postgespann,&lt;br /&gt;
Kein Rufen hilft, kein Zügel hält es an,&lt;br /&gt;
Bis endlich, zu der Wandrer Schrecken,&lt;br /&gt;
Der Wagen, wohlgerüttelt und zerschellt,&lt;br /&gt;
Auf eines Berges steilem Gipfel hält.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Das geht nicht zu mit rechten Dingen!&lt;br /&gt;
Spricht Hans mit sehr bedenklichem Gesicht.&lt;br /&gt;
So wird es nimmermehr gelingen;&lt;br /&gt;
Laß sehn, ob wir den Tollwurm nicht&lt;br /&gt;
Durch magre Kost und Arbeit zwingen.&lt;br /&gt;
Die Probe wird gemacht. Bald ist das schöne Thier,&lt;br /&gt;
Eh noch drei Tage hingeschwunden,&lt;br /&gt;
Zum Schatten abgezehrt. Ich hab’s, ich hab’s gefunden!&lt;br /&gt;
Ruft Hans. Jetzt frisch, und spannt es mir&lt;br /&gt;
Gleich vor den Pflug mit meinem stärksten Stier!&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Gesagt, gethan. In lächerlichem Zuge&lt;br /&gt;
Erblickt man Ochs und Flügelpferd am Pfluge.&lt;br /&gt;
Unwillig steigt der Greif und strengt die letzte Macht&lt;br /&gt;
Der Sehnen an, den alten Flug zu nehmen.&lt;br /&gt;
Umsonst, der Nachbar schreitet mit Bedacht,&lt;br /&gt;
Und Phöbus stolzes Roß muß sich dem Stier bequemen,&lt;br /&gt;
Bis nun, vom langen Widerstand verzehrt,&lt;br /&gt;
Die Kraft aus allen Gliedern schwindet,&lt;br /&gt;
Von Gram gebeugt das edle Götterpferd&lt;br /&gt;
Zu Boden stürzt, und sich im Staube windet.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Verwünschtes Thier! bricht endlich Hansens Grimm&lt;br /&gt;
Laut scheltend aus, indem die Hiebe flogen.&lt;br /&gt;
So bist du denn zum Ackern selbst zu schlimm,&lt;br /&gt;
Mich hat ein Schelm mit dir betrogen.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemblue&quot;&gt;Indem er noch in seines Zornes Wuth&lt;br /&gt;
Die Peitsche schwingt, kommt flink und wohlgemuth&lt;br /&gt;
Ein lustiger Gesell die Straße hergezogen.&lt;br /&gt;
Die Cither klingt in seiner leichten Hand,&lt;br /&gt;
Und durch den blonden Schmuck der Haare&lt;br /&gt;
Schlingt zierlich sich ein goldnes Band.&lt;br /&gt;
Wohin, Freund, mit dem wunderlichen Paare?&lt;br /&gt;
Ruft er den Baur von weitem an.&lt;br /&gt;
Der Vogel und der Ochs an einem Seile,&lt;br /&gt;
Ich bitte dich, welch ein Gespann!&lt;br /&gt;
Willst du auf eine kleine Weile&lt;br /&gt;
Dein Pferd zur Probe mir vertraun?&lt;br /&gt;
Gib acht, du sollst dein Wunder schaun.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;poem poemred&quot;&gt;Der Hippogryph wird ausgespannt,&lt;br /&gt;
Und lächelnd schwingt sich ihm der Jüngling auf den Rücken.&lt;br /&gt;
Kaum fühlt das Thier des Meisters sichre Hand,&lt;br /&gt;
So knirscht es in des Zügels Band,&lt;br /&gt;
Und steigt, und Blitze sprühn aus den beseelten Blicken.&lt;br /&gt;
Nicht mehr das vor’ge Wesen, königlich,&lt;br /&gt;
Ein Geist, ein Gott, erhebt es sich,&lt;br /&gt;
Entrollt mit einem Mal in Sturmes Wehen&lt;br /&gt;
Der Schwingen Pracht, schießt brausend himmelan,&lt;br /&gt;
Und eh der Blick ihm folgen kann,&lt;br /&gt;
Entschwebt es zu den blauen Höhen.&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;next&quot;&gt;&lt;em&gt;Friedrich Schiller&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 24 Jul 2020 09:54:00 +0000</pubDate>
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    <category>Antike</category>
<category>Gedicht</category>
<category>Idee</category>
<category>Poesie</category>
<category>Schiller</category>

</item>
<item>
    <title>Ein Appell zur Stärkung der Moral in schwieriger Zeit</title>
    <link>https://www.solvitur.de/archives/56-Ein-Appell-zur-Staerkung-der-Moral-in-schwieriger-Zeit.html</link>
            <category>snips</category>
            <category>solvitesken</category>
    
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    <author>nospam@example.com (John Lobster)</author>
    <content:encoded>
    &lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wovon man nicht sprechen kann darüber muß man schweigen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Mein lieber Wittgenstein! Dem ist wohl so.&lt;br /&gt;
Doch gleichwohl findet sich auch immer jemand, der diese Schätze zu heben weiß, damit sie nicht ungesagt im dunklen Grabe verschwinden.&lt;/p&gt;

&lt;div&gt;
&lt;figure class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 900px&quot;&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:149 --&gt;&lt;picture&gt;&lt;source srcset=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/.v/Landschaftsbild_von_Tang_Yin.webp&quot; type=&quot;image/webp&quot; /&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;serendipity_image_center&quot; src=&quot;https://www.solvitur.de/uploads/Landschaftsbild_von_Tang_Yin.jpg&quot; style=&quot;width:900px&quot; title=&quot;Landschaftsbild_von_Tang_Yin.jpg&quot; /&gt;&lt;/picture&gt;&lt;/div&gt;

&lt;figcaption class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Courtesy of Freer Gallery of Art and Arthur M. Sackler Gallery, Smithsonian Institution&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Bert Brecht schrieb dieses wundervolle Gedicht 1938 in &lt;span class=&quot;autor-biography&quot; id=&quot;autor-biography&quot;&gt;&lt;span id=&quot;biography-container&quot;&gt;Skovsbostrand bei Svendborg in Dänemark&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;. Angeblich soll er 1933 auf dem Weg ins Exil aus Berlin ein chinesisches Rollbild mitgenommen haben, das den Laotse im Gebirge auf einem Ochsen reitend darstellte. Es hing wohl an der kahlen Wand bei seinem Schreibtisch, bevor er kurz danach weiter emigrierte und schließlich über den Osten in den Westen und dann wieder nach Berlin zurückkehrte. &lt;span class=&quot;autor-biography&quot;&gt;&lt;span&gt;Im Mai des Jahres 1956 wurde Brecht mit einer Grippe in die Berliner Charité eingeliefert und starb am 14. August 1956 an einem Herzinfarkt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
Laotse selbst ist wohl ein Mythos, als leibgewordener Gründer des Taoismus. Heute nimmt man an, dass das Buch des Tao-Te-King ein Sammelwerk verschiedenster mündlicher Überlieferungen ist, dazu noch aus unterschiedlichen Zeiten. Und doch hat dieser Mythos sich tief in die chinesische Werdung hinein verknüpft; und von da aus in die ganze Welt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;

&lt;div style=&quot;background-color:#f9f9f9; border-left:5px solid #cccccc; margin-left:1em; padding-left:.25em&quot;&gt;
&lt;p&gt;&lt;u&gt;BERTOLT BRECHT &lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
LEGENDE VON DER ENTSTEHUNG DES BUCHES TAO TE KING&lt;br /&gt;
AUF DEM WEG DES LAOTSE&lt;br /&gt;
IN DIE EMIGRATION&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;table&gt;
	&lt;tbody&gt;
		&lt;tr&gt;
			&lt;td&gt;
			&lt;pre&gt;
&lt;strong&gt;Als er siebzig war und war gebrechlich,
Drängte es den Lehrer doch nach Ruh’,
Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlich
Und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.
Und er gürtete den Schuh.

Und er packte ein, was er so brauchte:
Wenig. Doch es wurde dies und das.
So die Pfeife, die er abends immer rauchte,
Und das Büchlein, das er immer las.
Weißbrot nach dem Augenmaß.

Freute sich des Tals noch einmal und vergaß es,
als er ins Gebirg den Weg einschlug.
Und sein Ochse freute sich des frischen Grases
Kauend, während er den Alten trug.
Denn dem ging es schnell genug.

Doch am vierten Tag im Felsgesteine
Hat ein Zöllner ihm den Weg verwehrt:
„Kostbarkeiten zu verzollen?” „Keine.”
Und der Knabe, der den Ochsen führte, sprach:
„Er hat gelehrt.”
Und so war auch das erklärt.

Doch der Mann in einer heitren Regung
Fragte noch: „Hat er was rausgekriegt?”
Sprach der Knabe: „Daß das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.”

Daß er nicht das letzte Tageslicht verlöre,
Trieb der Knabe nun den Ochsen an.
Und die drei verschwanden schon um eine schwarze Föhre.
Da kam plötzlich Fahrt in unsern Mann
Und er schrie: „He, du! Halt an!”

„Was ist das mit diesem Wasser, Alter?”
Hielt der Alte: „Interessiert es dich?”
Sprach dem Mann: „Ich bin nur Zollverwalter,
Doch wer wen besiegt, das interessiert auch mich.
Wenn du’s weißt, dann sprich!

Schreib mir’s auf. Diktier es diesem Kinde!
So was nimmt man doch nicht mit sich fort.
Da gibt’s doch Papier bei uns und und Tinte
Und ein Nachtmahl gibt es auch: ich wohne dort.
Nun, ist das ein Wort?”

Über seine Schulter sah der Alte
Auf den Mann: Flickjoppe. Keine Schuh.
Und die Stirne eine einzige Falte.
Ach, kein Sieger trat da auf ihn zu.
Und er murmelte: „Auch du?”

Eine höfliche Bitte abzuschlagen
War der Alte, wie es schien, zu alt.
Denn er sagte laut: „Die etwas fragen,
Die verdienen Antwort.” Sprach der Knabe: „Es wird auch schon kalt.”
„Gut, ein kleiner Aufenthalt.”

Und von seinem Ochsen stieg der Weise,
Sieben Tage schrieben sie zu zweit.
Und der Zöllner brachte Essen (und er fluchte nur noch leise
Mit den Schmugglern in der ganzen Zeit).
Und dann war’s so weit.

Und dem Zöllner händigte der Knabe
Eines Morgens einundachtzig Sprüche ein
Und mit Dank für eine kleine Reisegabe
Bogen sie um jene Föhre ins Gestein.
Sagt jetzt: kann man höflicher sein?

Aber rühmen wir nicht nur den Weisen,
Dessen Name auf dem Büchlein prangt!
Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Darum sei der Zöllner auch bedankt:
Er hat sie ihm abverlangt.
&lt;/strong&gt;
&lt;/pre&gt;
			&lt;/td&gt;
		&lt;/tr&gt;
	&lt;/tbody&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;Ein uralter Spruch, überliefert den Ohnmächtigen der Welt, denen nichts anderes gegeben, als sich immer wieder selbst erneut den Mächtigen entgegenzustellen. Weichgespült durch Menschenkraft des Widerstands. Das Mittel, um auch heute noch die &lt;span class=&quot;st&quot;&gt;repressive &lt;/span&gt;Staatsgewalt das Fürchten zu lehren! Denken wir nur an die tapferen Studenten aus Hongkong und welche Sogwirkung sie auf ihre Mitbürger hatten. Wasser und simple Regenschirme, welch eine Symbolik. Die Geschichte ist voll davon wie dieses einfache Mittel die stärksten Systeme brach. Doch leider haben diese dazugelernt und verfügen heute über die schrecklichen Möglichkeiten der digitalen Komplettüberwachung. Ein ungleicher Kampf mit ungewissen Ausgang.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Lao Tse, Spruch 78, LXXVIII&lt;br /&gt;
“Nichts Nachgiebigeres in der Welt als Wasser /&lt;br /&gt;
Dennoch zwingt es das Härteste.”&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tröstung und Hoffnung zugleich!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Murmeln wir also tapfer unser Mantra: “Daß das weiche Wasser in Bewegung / Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt /...dass das..”&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 11 Jun 2020 17:33:00 +0000</pubDate>
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    <category>Brecht</category>
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<category>Geschichte</category>
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