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Psychogramm einer Wahl

Sep 2021
26

Warm dringt das letzte Herbstlicht durch die ungewaschenen Fenster und strahlt auf den Wahlzettel. Ich hätte auch sehr früh schon gehen können, doch wie immer kommen einem verhangene Fetzen in den Sinn die alles unbestimmt nach hinten schieben. Habe ich wirklich eine Wahl?

Soviel ist mir inzwischen klar, solch eine Wahl ist keine Wahl zwischen zukünftigen Dingen und Menschen die ich tatsächlich direkt beeinflusse, die eine Wahl für mich ist. Ich bekomme nur etwas vorgesetzt aus dem ich auswählen kann. Und selbst das ist unbestimmt! Da kann man zum einen Leute direkt mit einem ausreichenden Mandat ausstatten, die keiner - geschweige denn ich - persönlich kennt. Mea Culpa! Sie sind aber auch auf bestimmte Ränge und Plätze gestellt, so dass auch ihre “Wahl” eher die vorbestimmte Auswahl einer bestimmten Interessengruppe ist. Reden wir mal nicht von den Weiteren, die sich zum Teil als möchtegern Imperative verstehen, und doch auch nichts weiter als Aushängeschilder einer bestimmten und meist etwas verworrenen Interessengruppe sind. Ihr oft einziger Vor- bzw Nachteil ist, dass sie keiner registrierten Partei oder Fraktion angehören und im Weiteren deshalb auch nicht viel zu melden haben werden. Sie sind aber versorgt; nicht schlecht!
Zum anderen gibt es Parteien aus-zu-wählen, die freundlich um meine Stimme als Blankoscheck bitten, nach dem Motto: “Macht damit was ihr wollt”!

Jede Wahl ist also ein eher unbestimmtes Mandat für eine Gruppe, die über die Modalitäten ihrer Zusammensetzung augenscheinlich selbst bestimmt und sich dem direkten und verantworteten Mandat eines Wahlbürgers zu entziehen sucht. Um sicher zu gehen, haben sie das Modell der Ausgleichsmandate erfunden. Herrlich! Damit lässt sich die etwas dümmliche Wählerschaft wunderbar vorführen. Ihr einziger Nachteil ist, dass es letztendlich die Menge der Parlamentarier im Hohen Hause aufbläht und immense zusätzliche Kosten verursacht — und so letztlich doch irgendwie wieder auffällt. Aber ACH, paperlapapp das wird ja aus dem Steuersäckl bezahlt. Müssten die Parteien ihre zusätzlichen Parlamentarier selbst bezahlen, aus einem fest definierten Budget der eigentlichen festgelegten Menge, das heißt, sich selbst beschneiden, wäre es schnell aus damit. Nee nee, 🙂 aber man wird ja nochmal träumen dürfen! Jedenfalls fragt man nicht die Frösche wann und wieviel man den oder vom Teich ablassen kann.

Da sie - unsere Politiker - also so handeln, darf es nicht wundern, dass ganz allgemein der Staat, bzw seine Finanzen als ein unendlicher Topf für Zugriffe von Interessen, für unendlich unverschämte, geradezu kleptographisch räuberische Plünderungen angesehen wird. Warum sollten Firmen, Verträge, ganz allgemein Menschen diesbezüglich mit angezogener Bremse, dem Allgemeinwohl verflichteter Gesinnung handeln, wenn ihnen dies von ihren Parlamentsvertretern nicht vorgelebt wird? Milliarden werden verpulvert; ohne Konsequenzen! Es schüttelt einen, je mehr man darüber nachdenkt, und so nimmt es nicht Wunder, dass viele Wähler gar nicht mehr wählen und alles einfach geschehen lassen.

Ich nicht! Denn ich gehöre zu einer Generation die wenigstens die innere Pflicht fühlt einer Wahl, und sei sie noch so unvollkommen, nachzukommen. Es gibt nichts anderes und die Auswahl an entsprechenden Alternativen ist sehr begrenzt! Was sie ersetzt, zeigt uns Geschichte; Leider!

Man nennt es Demokratie — Herrschaft des Volkes. In unserem Fall, repräsentative Demokratie, da wir ja zu viele und zu blöd sind etwas direkt entscheiden zu können. Außerdem kommt es der Neigung des Menschen entgegen, unbestimmt und verantwortung-s-los zu sein, haben wir doch mit dem Leben selbst schon genug zu tun.

Nun wäre es zu einfach den Schluss zu ziehen, dass sie, die Politiker, unsere spiegelbildlichen Vertreter an allem Schuld und Auslöser dieser Zustände wären. Sie bilden aber nur ab, was wir sind! Oder eben einen Teil dessen, was wir selber sind. Darüber mache ich mir keine Illusionen.

Habe ich also eine Wahl? ... Hmm! ... So und jetzt gehe ich wählen...! Später mehr dazu.

Der Chinese kichert und schüttelt das laotische Haupt – aus dem die Bitcoins purzeln – angesichts dieser Umstände. Der russische Bär lacht sich ins grimmige Fäustchen, während noch schnell ein paar vorgefertigte Wahlzettel im aufgetauten Permasumpf entsorgt werden. Uncle Sam, der Kapitalist nimmt ein erfrischendes Bad in seinem Geldspeicher und singt: “Money makes the world go round”. Captain Kirk sieht endlich seiner Erstumrundung entgegen, und Jeff grinst sich einen. Der Taliban ist auch nur ein Mensch und dreht freudestrahlend ein paar Runden im Autodrom. Alles ist gut!

Quax, der Bruchpilot, Maurice, meint dagegen nur: „Frischer Fisch aus dem Nil und Kaffee, in dem der Löffel stecken bleibt: Das ist es doch, worauf es im Leben ankommt.

Am nächsten Tag herrscht Kater. Schwarzer Kater. Aber alle sind irgendwie erleichtert, dass sie nun wieder unter sich sind. Das Spiel beginnt, die Krämer kramen! Alte Rechnungen und spitze Messer werden gezückt und vorerst wieder weggesteckt. Sie zeigen aber wer der Hase und die Meute ist.

Die Absurdität der ausgeklügelten gegenseitigen Wägung im 2-Stimmen Wahlsystem wird überdeutlich, dass bestimmte Menschen definitiv abgewählt wurden und dennoch wieder einziehen. « Schließlich wollen wir so tun als ob wir dich respektieren, lieber Wähler, aber dann doch nicht wirklich im Ernst, oder?! Das hätte ja schmerzhafte persönliche Konsequenzen. Das kann doch keiner wollen! Da wir es also besser wissen, nehmen wir uns was uns zusteht. »

In einem anderen Fall wird eine Zulassungs-Begrenzung als Partei zwar gerissen und doch sind deren 3 Bewerber, ausgeschrieben “drei ” (!), als Direktmandate dennoch hinein gewählt. Zum Ausgleich für diese Ungerechtigkeit bekommt diese Partei 36 - sechunddreißig - Ausgleichsmandate hinzu. Nun kann man sogar eine Fraktion bilden und hat automatisch mehr Rechte und mehr Geld zur Verfügung. Unsere Lederhosen jedenfalls wissen davon ein Lied zu singen.

Es locken Posten und Kronen und das Vergessen. Dann kann das Spiel erneut beginnen.

Sie verstehen? Ein geniales System, es sichert Existenzen, Pfründe, Machtoptionen, es schafft sich seine eigene Welt, eine Blase, die nun während der folgenden vier Jahre von allerlei Interessen und Gruppen weiter genährt und gepflegt wird. Hinter den Mauern – abgeschirmt von den Fährnissen des Lebens – werden gerade die Entscheidungsträger und ihre Zuarbeiter in einen volatil gesättigten Zustand gebracht, schwebend über den Dingen mit den komplexen Bedürfnissen einer bestimmten Klientel bearbeitet, die Schrecken einer wesentlichen Veränderung an die Wand gemalt, bis es dasteht, das Gespinst eines Buffets, dass sich nicht mehr von selbst erneuert; Beschrieben das Grauen eines zukunftsleeren Tisches, dem knurrenden Magen das Entsetzen des Ausbleibens der steten Befüllung, der dürstenden Seele die Abstinenz edler durchgeistender Tropfen. Schon sieht er es verdampfen, verdunsten, sich in Luft auflösen, einem hageren Gespenste — der WIRKLICHKEIT — weichen ... Nein! DAS kann er nicht zulassen!

Wie sich unser Demo.krat an diesem Punkt seines Werdens entscheidet, ist nicht schwer zu erraten. Er bleibt sich treu und verrät doch seine ursprüngliche Intention eines Volks-Vertreters, so er jemals eine solche hatte. Das Wahl-Volk wird auf einmal unbestimmt und verdunstet ihm vor Augen, es ist ja auch so wankelmütig, da er ja das wahre Volk in Konkretum verdichtet vor Augen hat. Es hat seine wirtschaftlichen Nöte. Es muss also bei Laune gehalten werden. Da es dasjenige Volk ist, das den Staat und damit auch unseren Vertreter ernähret, kann es nicht falsch sein es zu schützen. Man ist unter sich. Unter Seinesgleichen!

Denken Sie nur an die VW-Betriebsräte; sie sind hohe Manager und werden von ihresgleichen anerkannt und gleichermaßen entlohnt. Alleine ihnen eine Vorteilsnahme zu unterstellen grenzt an völligem Unverständnis. Es ist ein Prinzip! Und gilt ebenso in der Politik! Und so entstehen an solchen Orten enge Freundschaften und stabile Verbindungen, gesellschaftlicher Austausch, bis hin zur gegenseitigen Hilfe und Vorteilnahme. Der Übergang in die gekaufte Republik ist fließend! Und so wird sehr schnell, nur aus dem davorgesetzten Stand.punkt und Artikel, aus der Herrschaft des Volkes, aus Demos “Volk” und kratein “herrschen” — “Das Volk beherrschen”.

Wie sonst ließe sich der Pathos und die Überheblichkeit erklären mit der Politiker - wo es doch so gänzlichst gar nicht ihre Art ist - plötzlich zum Wohle aller wirkmächtige Dinge beschließen, von deren Anspruch und Folgen sie meist wenig Ahnung haben und nie wissen, wie sie einst aus diesem angerichteten Schlamassel wieder herauskommen; sei es am Hindukusch, in der schleichenden Aushöhlung der freiheitlichen Grundrechte im Kampf gegen den Terror, oder eben in Pandemiezeiten. Alles aus gutem Grund und doch grundfalsch im Ergebnis. Die Geschichte zeigt es immer wieder.

Meist läuft es doch so, wenn der Demokrat sich endlich in die Höhen eines Ministeramtes gebracht hat: Tue wenig bis gar nichts und niemand kann dir ans Leder. Sollte es dennoch soweit kommen, dass man gezwungen ist zu handeln, haben sich obskure 10-Punkte Pläne bewährt, die so lange medial durchgeritten werden, bis jederman denkt, sie wären tatsächlich dafür da etwas konkret zu bewirken. Sobald sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit einer nächsten Krise zuwendet - und das ist gewiß - ist die Gefahr vorüber und der Plan wird bis zum nächsten Ereignis in die Dunkelheit der Schubladen zurück gelegt. Solche Ereignisse zu handeln gehört heute zum politischen Handwerk. Hat man an ein, zwei Stellschräubchen gedreht, kann alles so weiter weiter laufen wie bisher und weiterer Schaden ist erfolgreich vermieden und abgewendet.

Schlimmer ist, wenn die Krisen anhalten und wirklich etwas getan werden muss. Dann sieht sich unser Vertreter plötzlich gezwungen zu handeln und etwas auf die eigene Kappe zu nehmen. Alles unter der medial scharf-gerichteten Aufmerksamkeits-Bestrahlung der Öffentlichkeit. Dies ist ein sehr unangenehmer Zustand. Denn das Ende ist womöglich offen und unvorhersehbar. Also folgt man einer Erzählung und bleibt ihr treu. Solch ein Narrativ ist wohl das einzige was hilft — und Zeit. Längst hat die — WIRKLICHKEIT — das Narrativ überholt und doch herrscht nackte Angst es anzupassen, sich wieder in das Unbestimmte zu ergeben; die Folgen zu tragen. Der Demo.krat ist schließlich auch nur ein Mensch!

Nun tut man natürlich all denjenigen Unrecht die sich ihre Gesinnung bewahrt haben und aufrecht gegen die Mühlen ankämpfen. Sie sind aber im Strom der Wahrnehmung eher die Ausnahme als die Regel. Einsame Don Quichotes, meist eher von den eigenen Leuten vom Hofe gejagt, als vom Wähler mißbilligt.

Wer setzt sich nun durch? Zum Einen die Jäger, die Narzisten, die genügend Skrupellosigkeit mitbringen ein paar Opfer auf ihrem Wege zu hinterlassen. Sie sind Kämpfer, und Psychopaten und ihr Platz, die Arena. Doch werden sie auch ebenso schnell aus dem Wege gerollt wenn ein neuer Platzhirsch die Herde beansprucht; ihr eigener Zenit an Machthunger überschritten ist. Dann gibt es die ruhend Sit.ZEN.den. Sie überstehen oft lange und schadlos die Wirren der Tagesgeschäfte, aus denen sie sich heraushalten, die Nächte der langen Messer, denn sie nutzen eine besondere Form der Machtausübung, die seit dem amerikanischen Politologen Joseph S. Nye gemeinhin als Soft Power gegenüber der Hard Power bezeichnet wird. Verkürzt in etwa: Eine kulturelle Attraktivität des ideologischen Narrativs. Sie geht nicht gegen an, sondern nutzt das Vertrauen als Basis. Sie hören so lange zu bis sich ein Weg abzeichnet, der in der erschöpfenden Entkräftung der Kontrahenten einen Lösungsweg ergibt. Ihre Hard Power ist diejenige, die ihre Kontrahenten bei ihnen für möglich halten, nicht aber deren konkrete Anwendung. Ihr wahrer Schatz liegt in der Attraktivität ihrer “Vision”. Dies kann gänzlichst ohne eine solche auskommen. Aber es ist die Nutzung der positiven Kraft, also eine Entgegennahme, ganz ein wenig so wie es die östlichen Kampfkünste vermitteln. Jeder kriegerische Akt ist ein Akt der Gewalt, der Zerstörung. Darauf kann nichts bauen! Hinwendung und Verwandlung sind die Kennzeichen eines großen Staatskünstlers. Auch ein solcher hinterläßt so manchen Psychopaten ausgelaugt und entnervt am Wegesrand, doch nicht aus Zerstörung, sondern aus Entkräftung!

Ach du grüne Neune! Jetzt habe ich mich doch tagelang etwas hinreißen lassen und sehe schon einen schier unendlichen Weg des weiteren Beschreibens vor mir. Aber Sie sehen worauf ich hinauswollte. 😅 Ich anerkenne die Kunst so lange regiert zur haben, ohne dass einen am Ende ein Brutus das Licht auslöscht! Respekt!

 

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

 

DAS LIED VON DER MOLDAU, Bertolt Brecht

So long..!

» Hab’ ich es denn Euer Gnaden nicht gesagt, es seien Windmühlen, und das könne nur der verkennen, der selber welche im Kopf habe? «  M. de Cervantes, Sancho Panza an seinen Don

Three Billboards for K. - Blatt für Blatt

Mär 2021
20

J. nahm das Lesezeichen aus dem Buch, rückte das Füllhorn gerade, öffnete das Fenster ... und sprang.

Noch im Flug überlegte sie was sie wohl vergessen hätte, doch nicht einmal diesen Gedanken konnte sie beenden. Ihre Blätter lagen noch immer frisch geweißt auf dem Tisch. Wie die gesamte Woche schon. Ihre Gedanken flogen, aber setzten sich nicht. Nur Nachts, wenn sie wachlag und die Stunden und Wochen und Jahre ihres Lebens an ihr vorüberzogen, nahmen sie Bezug und oft hatte sie im Halbtraume darüber nachgesonnen, dass es doch schön wäre, wenn ihr jetzt ein Nachtelf geschwind die Feder führen und alles Gedachte und Erträumte zu Papier brächte. Dann könnte sie am Morgen nachlesen was in ihrem Leben an Scheidewegen und Wendungen zu all den Fährnissen geführt hatte, denen sie ansonsten am Tage nur recht wolkig gewahr wurde.

Draußen roch es nach Frühling. Ein wenig nur. Doch in all dem bleienden Grau, gab es diese feine Note die den nahen Frühling ankündigte. Narziß und Goldmund, Primel und Vergißmeinnicht. Hier ein Schneeglöcken, da ein Feld voller Krokusse, mit ihren goldenen Stempeln.

 

✂—✂—✂ WER ✂—✂—✂

 

H. schüttelte sein welkes Haupt.

Überall gingen, standen oder saßen sie. Verträumte Einzeller oder Pärchen. Als jene, die grauenvoll gelangweilt von der umgebenden Welt, auf die spiegelnde Fläche starrten, die ihnen den Weg zu sagen schien, und doch hätte ein selbstbewußt erhobener Blick gereicht, sie selbstbestimmt und weit genug in die Ferne zu tragen. Andere hielten mit solcher Inbrunst ihren Kaffeebecher als müssten sie sie spazierenführen, mit ihnen Gassi laufen; Stolz beseelt zur Gruppe der städternden Jung-Yuppies zu gehören. Die Sitzenden saßen nebeneinander, wortlos schweigend. Beide vertieft in ihre Welt; nichts ausdrückend oder teilend als trauriger Langeweile.

Dann und wann sah H. ein ältliches Ehepaar, mit geweiteten Augen, ähnlich grauenvoll ihrer Umgebung gewahr geworden.

So traf sich ihr Blick...

 

✂—✂—✂ WIR ✂—✂—✂

 

Die Schlange starrte. Unabwendbar gefangen in ihrem Bann. Blasen blähten kleine Universen. Jedes in sich gerichtet von Saurons flammender Aufmerksamkeit. Cancel Culture und Political Correctness, durchschäumt von wütend gerichteten Hinrichtungen, sollte etwas von seinem Weg abkommen. Sie alle stritten ab sich daran zu beteiligen. Und doch war nur davon zu lesen! Je mehr wir uns auf das Detail konzentrierten, desto größer war der Effekt. Je mehr wir zu wissen glaubten, desto flacher wurde ihr Gewinn. Die vermeintliche Tiefe verlor sich im horizontalen Nirgend. Die nicht besetzte Vertikale aber produzierte den Hass. Und dieser gab den Blähungen ihr Profil, die emotionale Emulsion. Den Trieb immer weiter hinein zu steuern, gefangen von sich selbst. Selbstüberschätzung, Hybris, Ignoranz, verkocht zu einem gärigen Brei. Gesteuert? Wohl kaum. Benutzt? Durchaus!

R. sah es kommen ... und S. sah es gehen. Keiner fand die Zeit aufzublicken!

 

✂—✂—✂ WAREN ✂—✂—✂

 

W. war von uns gegangen...

 

„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ (Roger Willemsen)

Von Helden und Maulhelden, Intelligenzen und anderen Heimsuchungen

Mär 2020
28

“Wollen wir in einer Welt leben, in der jeder jeden bescheißt?” Nein, das wollen wir nicht, tun wir aber! Jedenfalls in einer Welt in der es eine ganze Schicht gibt die sich eben genau solches herausnehmen. Pfui Deibel! Gott sei Dank gibt es Menschen wie diesen Richter aus Bonn, die solches Verhalten eben auch so benennen: “Wenn sie sich in einen Kreis von Ganoven begeben, können Sie doch nicht sagen, um mich herum waren auch nur Ganoven, die haben das alle gemacht”. Schlage ich die Zeitung auf, so steht da selten Nachdenkliches, echt Hinterfragtes. Alles ist auf die schnelle Nummer aus. Da werden Leute schnell als Helden bezeichnet, die einfach nur ihre Arbeit machen, zu der sie gewählt sind, nur weil es andere gibt, deren “helden” Attribut am hinteren Ende des Objektes zu finden ist und darüber immer wieder keinen Zweifel aufkommen lassen. Die Welt ist im shutup-Modus. Nur diejenigen die einen Shutup wirklich nötig hätten, halten es einfach nicht, ..ihr Objekt.

In die Stille des heruntergefahrenen Tages raunt der alte Dylan “The day they stole America”. Wirklich erst als Kennedy ermordet wurde? Maybe it all began with “Cortez the Killer”! Die Prise Wahnsinn die genügend Abgründe auftat, um sich immer wieder erneut in sie zu stürzen. Vom Anbeginn an werden Geschichten erzählt. Sie sind die Schneisen im Chaos. Die Aborigines folgten ihren Songlines, Pfaden aus Erzählungen entlang der spirituellen, natürlichen und moralischen Ordnung des Kosmos. Es gibt sie also, die Erzählungen die hinüberreichen und dem Menschen Richtschnüre entlang ihres Weges geben. Die neueren Zeiten machten daraus Narrative; ein furchbares Wort, so voll von Lügen und gefährlichen Verkleisterungen und Abwegen. Abgekoppelt von der moralischen Ordnung des Kosmos, nur noch dumpfe Zweckerzählungen, die Interessen dienen, ..menschlichen Interessen!

Demjenigen der mit dem Glauben an das Gute, Wahre und Schöne aufwächst, erwacht die Welt der Narrative immer mehr zu einem bedrückenden Albtraum und ihre Protagonisten gleich mit. Es ist so schwer dagegen wach zu bleiben, sie immer erst einmal als das zu lesen was sie sind, elende Nachtmahren die den hellen Geist verdunkeln. Doch sind Erzählungen wichtig; wir alle kennen sie und leben nach und mit ihnen. Alles sind nur Erzählungen - aber wenn sie gut sind, heben sich soweit gegeneinander auf, dass eine Entwicklung über die Zeit stattfindet. Eine Entwicklung ins Helle!

Und doch ist mir die Enttäuschung auf die Stirn geschrieben, in Furchen der Erfahrung. Der Glaube bröselt! Das neueste dieser Narr.ative: Künstliche Intelligenz wirds schon richten. Glaube daran, Mensch! Folge den Weisheiten der Algorithmen. Sie können nicht irren, BIG DATA sei Dank! Hah!

Mo.ment! Lassen wir dem “Yer Blues” Schmerz kurz seinen Lauf - « John! » - Two, three...

[Chorus]
Yes, I’m lonely
Want to die
Yes, I’m lonely
Want to die
If I ain’t dead already, hoo
Girl, you know the reason why

[Verse 1]
In the morning
Want to die
In the evening
Want to die
If I ain’t dead already, hoo
Girl, you know the reason why

My mother was of the sky
My father was of the earth
But I am of the universe
And you know what it’s worth

[Chorus]
I’m lonely
Want to die
If I ain’t dead already, hoo
Girl, you know the reason why

[Verse 2]
The eagle picks my eye
The worm he licks my bones
I feel so suicidal
Just like Dylan’s Mr. Jones

[Chorus]
Lonely
Want to die
If I ain’t dead already, woo
Girl, you know the reason why

[Verse 3]
Black cloud crossed my mind
Blue mist round my soul
Feel so suicidal
Even hate my rock and roll

[Chorus]
Want to die
Yeah, want to die
If I ain’t dead already, woo
Girl, you know the reason why

Girl, did ya hear me..?? So schalts hinaus in die Nacht...

Die Rettung meiner inneren Jugend aber war immer:

Almost Cut My Hair
It happened just the other day
It’s getting’ kinda long
I coulda said it wasn’t in my way
But I didn’t and I wonder why
I feel like letting my freak flag fly
Yes, I feel like I owe it to someone

Must be because I had a flu for Christmas
And I’m not feeling up to par
It increases my paranoia
Like looking at my mirror and seeing a police car
But I’m not giving in an inch to fear
’Cause I promised myself this year
I feel like I owe it to someone

When I finally get myself together
I’m going to get down in that sunny southern weather
And I’ll find a place inside to laugh
Separate the wheat from the chaff
I feel like I owe it
To someone, yeah

Mögen wir also alle unseren FLUE überwinden, denen Gedenken die es nicht schafften und zu den Songs unserer Jugend zurückkehren! I owe it to someone, yeah!